Freitag, 22. August 2014

Gesundheitsexperte der SPD: Salzen schlimmer als saufen

Im gedruckten Spiegel, heft nr. 34 vom 18. august 2014 steht auf seite 100 ein interview mit dem gesundheitsexperten der SPD, Karl Lauterbach, in welchem er über seine salzfreie ernährung spricht.

Selbst gehe ich mit salz relativ sparsam um, daß man jedoch erst durch den verzicht auf salz andere gewürze wie pfeffer, chilli oder kurkuma zu schätzen lerne, halte ich für eine gewagte these, die sicherlich überall auf der welt alltäglich millionenfach widerlegt werden dürfte.

Am schluß, gibt er noch zum besten, daß er bei einem bankett im Weißen Haus zu dem ihn die damalige US-gesundheitsministerin eingeladen hatte trotz absprache mit gesalzener nahrung bewirtet werden sollte und dann dort nicht gegessen, sondern nur wein getrunken haben. Ungefähr wie »das bißchen, was ich esse, kann ich auch trinken«.

Sicher, zwei bis drei flaschen wein können eine mahlzeit kalorienmäßig durchaus ersetzen. Nur ob das gesünder ist als eine normal gesalzene mahlzeit zu essen, sollte angezweifelt werden.


Kommentare:

  1. Obwohl ich aus gesundheitlichen Gründen auf die Zugabe von Salz in der Nahrung verzichten soll, lebe ich nicht salzfrei.
    Mir wurde sogar empfohlen auf Salz im Brot zu verzichten.
    Wer einmal Brot ohne Salz geniessen durfte, der weiss wohl wie abscheulich das schmeckt.

    Mein Kompromiss wurde Kräutersalz und der weitgehende Verzicht auf vorfabrizierte Nahrungsmittel.
    Die Nutzung von Gewürzen kann die Küche echt bereichern. So habe ich in unsere Küche z.B. Ingwer und Koriander eingeführt. Beides kann ich hier selber anpflanzen.
    Meine Tochter steht allerdings überhaupt nicht drauf.

    Für mich ist dieser Karl Lauterbach ein Mensch, der seine Ideen radikal ausleben will. Lassen wir ihm doch seinen Splin, solange er nur ein Interview gibt, ist das o.k.. Die Menschheit wird ohnehin nicht auf ihn hören. Dieses ganze Missionieren führt eher ins Gegenteil von dem, was es bewirken soll.

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    1. Ich weiß, daß es bestimmte erkrankungen gibt, bei denen es ratsam ist, salzarm zu leben, allerdings nicht salzfrei. Beispielsweise nierenleiden, welche für gewöhnlich mit bluthochdruck einhergehen.

      Wenn man gesund ist, gibt es keinen grund, auf salz zu verzichten. Das würde ja bedeuten, daß man auch auf käse, wurst, eingelegte oliven oder gewürzgurken verzichten müßte. Alles dinge, die nicht ungesund sind, sofern man sie nicht zum sattessen verwendet. Sondern wofür sie gedacht sind, brotbelag oder beilage.

      An sich habe ich mir nie groß gedanken über meinen salzkonsum gemacht, wenn ich mal davon absehe, daß ich zu stark gesalzenes nicht mag. Reis oder kartoffeln koche ich normalerweise völlig ohne salz, es fiele mir jedoch niemals ein, salzfreies brot essen zu wollen. Ist mir einmal passiert, daß ich beim brotbacken das salz vergaß, das hat furchtbar geschmeckt. Allerdings mag ich auch keinen salzfreien kuchen.

      Du baust ingwer selbst an? Wie machst Du das? Ich habe schon vieles selbst gezogen, chillies sind meist pflegeleicht, ingwer habe ich noch nicht als heimpflanze ausprobiert, obgleich der zu meinen lieblingsgewürzen gehört.

      Was mich an dem interview mit herrn Lauterbach etwas belustigt hat, war, daß der sich offenbar eher nur von wein ernährt, als auf einem bankett eine vermutlich aus sehr guten zutaten zubereitete mahlzeit zu essen, die salz enthält. Das verhalten, nicht zu essen, sondern stattdessen bloß wein zu trinken, war mir bisher nicht von ausgemachten gesundheitsfreunden, sondern eher von alkonauten bekannt.

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  2. Karl Lauterbach ist schon ein Kerlchen für sich und für einen SPD-Politiker heutiger Tage hat er immerhin einigermaßen Profil. Wie man dieses finden soll, okay, da bin ich mit mir selbst auch nicht immer einig.
    Aber was das Salz in der Suppe angeht... viele vergessen gerne, dass das Gehirn - evolutionär bedingt - nur eine relativ schmale "Bandbreite" besitzt wenn es um Geschmack und tatsächliche Mineralbedürfnisse geht geht. Es signalisiert uns "Zucker/Süßes ist perfekt" aus Zeiten, wo eine hohe kurzfristige Energiequelle benötigt wird, "Fett ist gut" wo Speicher für einen harten Winter aufgebaut werden muss und Salz, womöglich, wo Mineralien benötigt werden (so "logisch" formuliert ist das natürlich immens vereinfacht und ich bitte darum, dass nicht zu intensiv auseinander zu nehmen ^^'). Die chemische Verarbeitung unserer Lebensmittel hat sich aber in dem Maße erst in den letzten 50-150 (je nach Gesichtspunkt) im nennenswertem Ausmaß entwickelt. Wer sich heute in einem Supermarkt eine Fertigmahlzeit holt und auch nur einmal auf die Inhaltsstoffe geguckt hat, stellt fest, dass er nicht im Entferntestem weiß, was er eigentlich isst. PLUS, dass logischerweise die Ernährungsindustrie eben auf jene Belohnungszentren zielt, die uns dazu bringt, das überteuerte Produkt, dass uns vielleicht sogar spürbar nicht gut tut, trotzdem zu kaufen, weil unser "dummes" Gehirn es uns befiehlt.

    Der Verzicht auf vorfabrizierte Nahrungsmittel, soweit möglich, ist daher, da stimme ich Troptard zu, der beste Schritt um zumindest ein Bewusstsein dafür zu entwickeln.
    Kleine Nebenbemerkung aus eigener Erfahrung dazu: ich habe ungefähr ein Jahr lang ALG2 bekommen und bin nun eifrig in Arbeit, daher was den Mythos und nicht-Mythos "frische Lebensmittel kann sich jeder leisten" angeht: ich kenne da zwei Seiten. Im Arbeitszeiten, gerade als Mensch nah der "vakanten" Generation bemerke ich, dass der Zeitdruck (gerade auch durch die künstliche Informations-Beschleunigung dank Smartphone) wächst obwohl praktisch gesehen immer mehr Zeit eigentlich zur Verfügung steht. Daher ist Kochen einerseits ein Mittel zur Entschleunigung, gleichzeitig aber ein "Störfaktor" bei der Beschleunigung.
    Was die Arbeitslosigkeit angeht, so besteht die umgekehrte Ironie darin, dass gerade dank der Repressionen, die man von der Arbeitsagentur erfährt, sich schnell ein depressionsähnlicher Zustand ergibt, gefolgt vom - den heutigen Zeiten total unangemessenem - Phlegma... einer Art "Lähmung". Ich habe selbst sog. gestandene Arbeiter in kurzer Zeit in ein solches verfallen sehen. Hier haben wir fast dasselbe Phänomen - es wird immer schwieriger für die Leute, sich mit sich selbst (und um den Bogen weiter zurückzuschlagen: auch mit ihren Ernährungsbedürfnissen z.B., nicht nur den geistigen) zu beschäftigen. Heutzutage wird stetige Produktivität gefördert, aber WAS produziert wird, ist im Grunde egal.

    So gesehen, ist der eigene Körper sehr verbunden mit dem der Gesellschaft. Und beides schluckt leider, da das "Denkzentrum" verquere Signale sendet.

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    1. In vorfabrizierten lebensmitteln sehe ich nicht unbedingt ein problem. Ein gutes brot, wurst oder käse sind vorfabrizierte lebensmittel, die durchaus gesund und lecker sein können, wenn man bloß das geld hat, sich das zeug in einer anständigen qualität zu leisten.

      Mir zumindest hat mein gehirn noch nie befohlen: »kauf den tiefkühlmist aus dem supermarkt, denn der tut Dir gut!« Es war eher so, daß ich einen stressigen nicht-übermässig-gutverdiener-alltag hinter mir hatte und dachte: »ach, nach so einem tag würde ich mich gern in ein gediegenes slow-food-lokal setzen und mich wenigstens mit gutem essen verwöhnen lassen.« Und dann befiehlt das bankkonto und die müdigkeit, daß es dosenravioli oder andere plempe geben muß, weil für die zubereitung von anständigem essen keine zeit ist und das geld nicht reicht, um vernünftig essen zu gehen.

      Und genau dafür ist die fertignahrung auch erfunden worden: damit die arbeiter in ihren lebenshaltungskosten billiger werden und weniger zeit für das kochen aufwenden müssen. Die sollen sich nicht mit ernährungsbedürfnissen rumschlagen, sondern so funktionieren, wie das für sie vorgesehen ist.

      Denn sie sollen nicht den gegenwert ihrer arbeit erhalten, sondern ungefähr das, was sie brauchen, um einigermaßen arbeitsfähig zu bleiben. Und oft nicht einmal das.

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  3. In Zeiten, wo ich nur einen Millimeter von der Obdachlosigkeit entfernt war, habe ich mich immer so ca. 3 Wochen lang wie folgt ernährt:
    Eine Packung Salzstangen oder Salzbrezeln von der "Hausmarke" eines Discounters zum Preis von 0,39 Euro so gegen 10 Uhr vormittags auf einmal verputzt. Danach war mir immer dermaßen schlecht, dass sich das Thema "Essen" für den Rest des Tages von selbst erledigt hatte. Sollte das hier aber wohl besser nicht zu laut schreiben, sonst bringt das den Gesetzgeber noch auf dumme Gedanken, was den im Regelsatz enthaltenen Lebensmittelbedarfsanteil angeht...

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    1. Da hast Du Dich in einem bereich bewegt, wo salz und einseitige ernährung wirklich zum gift wird: ein paar salzstangen auf einer party verträgt der mensch problemlos. Als hauptnahrungsmittel ist das ungeeignet.

      Manchem wäre es mit sicherheit recht, die arbeitslosen so zu ernähren, weil das kein mensch auf dauer überlebt.

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