Donnerstag, 31. Dezember 2020

Ein vorschlag für 2020

Eigentlich fangen die 20er jahre morgen erst an, denn wegen unserer bekloppten zeitrechnung fangen jahrzehnte mathematisch korrekt nie mit einer »0«, sondern immer mit einer »1« an. Dazu schrieb Max Goldt im november 1996 unter dem titel »Teilchenphysik auf Stammtischniveau« folgendes:
Zitat: »Das Einteilen unserer Zeit in Jahrzehnte ist eine tückische Sache, da die Dinge, die man sich im Nachhinein als typisch für eine Dekade denkt, nur selten pünktlich zu Jahrzehntbeginn einstellten. [...]

Der Einstieg in die nuller Jahre wird hart und nervig werden, denn Besserwisser wollen ihn mit Genörgel vergällen. Sie schreien jetzt schon los, wenn jemand mal den ganz extrem kleinen fehler begeht zu sagen, am 1.1.2000 werde das neue Jahrtausend beginnen. Man sollte einfach nicht hinhören, wenn sie einem wieder mit ihren arithmetischen Belehrungen kommen, oder sie anschreien: JAJA, WIR WISSEN ES ALLMÄHLICH. Jeder ABC-Schütze kann begreifen, daß unsere Zeitrechnung nicht mit dem Jahr Null, sondern mit dem Jahr Eins beginnt, und daß die Jahrhunderte
eigentlich nicht mit ’00, sondern mit ’01. Toll. [...] 2000 = drei leckere, saftige Äpfel. Krachoschlabber Schmackofatz! 2001 = zwei Äpfel und ein Zahnstocher. Was ist besser? Die saftlosen Arithmetiker sagen: Zwei Äpfel und ein Zahnstocher sind besser, denn dann kann man sich der langfristigen Gesundheit zunutze nach dem Essen die Überreste aus den Zwischenräumen stochern. Da antworte ich: Dann stochert mal schön in eurer logischen Gesundheit. Ich werde [...] bei eurem mathematisch genemigten Millenium reinschneien und euch Zahnstochernachschub und eine Flasche Demeter-Brottrunk vorbeibringen.

Man merke sich: Inkorrekte, aber geile Jahrtausendwenden begießt man mit leckeren Torkeltrünken, korrekte Jahrtausendwenden mit Demeter-Brotsaft.«
Ob das für mathematisch korrekte jahrzehntanfänge auch gilt? Mist, das habe ich gar nicht bedacht und somit habe ich zufällig überhaupt keinen Demeterbrottrunk im hause, sondern bloß leckere torkeltrünke und ich habe nicht vor, ins reformhaus zu flitzen um daran was zu ändern. Zur abhilfe hat letztens der Österreichische physiker Florian Aigner folgendes vorgeschlagen: Das ist eine gute idee, wir legen ein schaltjahr ein, geben 2020 eine zweite chance und sind den stuß mit den unlogischen jahrzehntanfängen für immer los. Bin ich sehr dafür.

Ich wünsche schöne 20er jahre.

Kommentare:

  1. Ich spreche da mal wider.
    Es handelt sich nicht um ein mathematisches Problem, sondern eines der Sprache bzw. der Kategorisierung. Zählen ist noch keine Mathematik und ggf. keine Relationierung, sondern eine Benennung. Aus dieser Sicht wäre es merkwürdig, wenn etwa die xx20 nicht zu den "20er Jahren" gehörte.
    Zudem ist das Argument mit dem Beginn der Zählung hier kein valides. Der Gregorianische Kalender hat weder ein Jahr Null noch ein Jahr Eins, zudem ist das faktische Geburtsjahr eines Jesus von Nazarteh unbekannt. Regeln über Zählungen mit Beginn bei 1582 wären noch zu etablieren.

    So. Jetzt du wieder ;-)
    Guten Rutsch!

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    1. Für manche menschen ist zählen schon höhere mathematik. Aber im grunde genommen muß niemand das so ernst nehmen. Was geht mich eigentlich die christliche zeitrechnung an?

      Das richtige neujahr findet ja wohl zur herbsttagundnachtgleiche statt - und da wird nicht nur einen läppischen abend reingefeiert, sondern fünf tage und nächte lang. Die Franzosen waren im 18. jahrhundert nicht völlig bescheuert - bevor der weinlesemonat losging, konnte man erst noch feiern und die restbestände austrinken, um platz im weinkeller für den neuen wein zu schaffen. Das nächste mal wird ins neujahr 230 reingefeiert.

      Es gibt in unterschiedlichen kulturkreisen andere zeitrechnungen und 2021 steht sogar eine echte jahrtausendwende an, die ich angemessen begehen wollte, um behaupten zu können, immerhin zwei jahrtausendwenden gefeiert zu haben, was nicht jeder von sich behaupten kann. ^^ Wird aber wohl eher ausfallen. Die welt ist ungerecht.

      Ick wünsch Dir ooch’n juten rutsch!

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