Dienstag, 9. Dezember 2014

Porridge for the poors!

In Großbritanien wachsen nicht allein die aktienkurse, der konsum und die preise für häuser, sondern auch hunger und armut. Fast eine halbe million menschen waren auf nahrungspakete des Trussel Trust (das ist so etwas ähnliches wie die Deutsche »tafel«) angewiesen. 2010 gab es 50 ausgabestellen. Heute gibt es 420.

Dies sei jedoch kein wirkliches problem, sagt sarrazynikerin Anne Jenkin. Der Trussel Trust und die kirchen förderten nur die bequemlichkeit der leute, die zu blöde wären, sich ihr essen selbst zu kochen. Eine portion hafersuppe koste schließlich nur 4p, während zuckrige cerealien mit 25p zu buche schlagen würden. Also seien die armen selbst schuld an ihrem elend.

Allerdings haben Britische elendsbehausungen oft nicht mal eine küche, sondern nur einen wasserkocher für den tee und eine mikrowelle, um zeug aufzuwärmen. Ob man unter solchen bedingungen porridge zubereiten kann, darf bezweifelt werden.

Sarrazyniker, die armen leuten in den mund zählen, wie wunderbar billig sie sich ernähren könnten, wenn sie nicht so abgrundtief dumm wären, scheint es überall zu geben.

Kommentare:

  1. Selber Bouillabaisse fressen und anderen Haferschleim empfehlen.

    Noblesse oblige …

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  2. Es sind seltsamerweise immer die, die im Überfluß leben, die anderen vorschreiben, mit wie wenig diese wunderbar auskommen können sollen müssen...

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    1. Ja, wer denn sonst? Wer sich den mehrwert Deiner arbeit aneignen möchte, muß immer klar machen, wie wenig Du zum leben benötigst - und, ach, wie schön, geld benötigt man zum glücklichsein nicht. Dafür ist es aber auch nicht gedacht!

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  3. Nachtrag: Suppenküchen sind keine Schildkrötensuppenküchen!
    Und über die Pauperisierten zustehende Ernährung gibt
    Charles Dickens´»Oliver Twist« erschöpfende Auskunft, sowohl
    was Qualität als Quantität der Armenabspeisung betrifft.

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    1. »Schilkrötensuppenküche« ist ein gutes stichwort - in »Der Pudding des armen Mannes und die Brosamen des Reichen« beschreibt Herman Melville im zweiten bild der geschichte seine beobachtungen aus dem jahr 1814 in London. Die armen werden mit den resten eines festbanketts abgefüttert und sein begleiter feiert es als »hochherzige mildtätigkeit«, daß die armen mit fasanen und pasteten gefüttert werden, bzw. mit den erbärmlichen resten davon, die das geschmeiß davon übrig gelassen hat. 200 jahre ist das jetzt her. Und im prinzip hat sich daran nichts geändert.

      Lesen kann man über die elenden verhältnisse natürlich auch bei Engels oder in der literatur der 20er jahre, wie z.b. bei Ludwig Turek, Maria Leitner, Alfred Döblin oder Hans Fallada.

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