Freitag, 8. Februar 2013

Wer hat uns verraten? - … !

Während in den letzten tagen anderswo viel über ein gar nicht besonders spannendes blog diskutiert wurde, das von einer anonym finanzierten mietschreiberagentur für eine nicht ganz so anonyme mietrednerfigur betrieben wurde, habe ich lieber ein gutes buch gelesen. Das blog ist ohnehin inzwischen wieder vom netz, wegen angeblicher hackerangriffe. Vielleicht hatte die unterstützerinitiative sich aber auch überlegt, daß es ganz schön blödsinnig ist, einen sechsstelligen betrag für so ein schlechtes blog auszugeben. Aber wenigstens habe ich meine zeit nicht vertan.

Beim lesen des buchs stellte ich fest, daß der aktuelle kanzlerkandidat der SPD kein peinlicher fehlgriff ist. Peer Steinbrück ist genau der richtige mann für die SPD!

»Das kleine Schwarzbuch der deutschen Sozialdemokratie« beschreibt die geschichte der SPD seit 1890. Nach der aufhebung der sozialistengesetze wurde aus der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD).

Anfangs war die SPD eine kampfpartei, die ein marxistisches programm hatte und imstande war, massenaktionen erfolgreich durchzuführen. Allerdings brach die sozialdemokratische reichstagsfraktion am 30. juni 1913 - also gut ein jahr vor dem ausbruch des Ersten Weltkrieges - mit dem grundsatz »diesem system keinen mann und keinen groschen« und bewilligte die besitzsteuervorlage zur finanziellen deckung der rüstungskosten. Am 25. juli 1914 hatte die SPD noch auf massendemonstrationen zum widerstand gegen den krieg aufgerufen. Am 31. juli stand im »Vorwärts«
»Wenn die verhängnisvolle Stunde schlägt, werden die vaterlandslosen Gesellen ihre Pflicht erfüllen und sich darin von den Patrioten in keiner Weise übertreffen lassen.«
Die meinung der rechten führer der SPD hatte sich geändert. Man bewilligte die kriegskredite. Die antikriegshaltung einiger mitglieder führte zu deren ausschluß, was später die spaltung der arbeiterklasse zur folge hatte. Nach dem Ersten Weltkrieg machte die parteispitze der SPD eine strikt antikommunistische politik gegen die interessen der parteibasis. Verantwortliche SPDpolitiker ließen demonstrierende arbeiter von der polizei niederknüppeln und zusammenschießen. Im herbst 1932 gab es auf der straße eine einheitsfront aus KPD und SPD gegen die nazis. Eine gemeinsame antifaschistische politik verhinderte das führungspersonal der SPD, genau wie den generalstreik gegen Hitler im januar 1933, lieber dessen steigbügelhalter sein, als mit kommunisten gemeinsame sache zu machen. Am 24. märz 33 stimmte die SPD gegen das ermächtigungsgesetz. Da war es allerdings bereits zu spät. In den jahren bis 1945 wurden viele sozialdemokraten verfolgt, eingesperrt und ermordet.

In der zeit nach 1945 setzte die SPD kapitalistenfreundliche politik fort - nicht erst im jahr 2005 mit der einführung der h4gesetze unter der Schröderregierung. Schon 1946 verhinderte die SPD in Hessen die durch einen volksentscheid beschlossene vergesellschaftung der schlüsselindustrien. Oder man denke an den kanzler, der für seine amtszeit »mehr demokratie wagen« versprochen hatte, stattdessen gab es den »radikalenerlaß«, der bis heute für viele einem berufsverbot gleichkommt.

Wer sich genauer mit dem thema befassen möchte, der sollte das »Kleine Schwarzbuch der Sozialdemokratie« von Konstantin Brandt lesen, erschienen 2012 im Verlag Wiljo Heinen. Es ist auch als e-book erhältlich. Vorteilhaft ist, daß das e-book zwar natürlich dem copyright unterliegt, aber keinen kopierschutz hat. Man kann es also am computer und auf allen lesegeräten, die man hat, lesen - auch darf man es in maßen an freunde weitergeben, beim preis von 1€99 für das e-book verschuldet man sich jedoch nur in sehr geringem maße, wenn man es selbst kauft.

Kommentare:

  1. tja, auf die Sozen war schon immer Verlass!

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  2. Bedauernswert ist, dass die deut. Gewerkschaften dem Treiben
    der SPD seit 1918 immer wieder gefolgt sind, wie auch in der heutigen Zeit.

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    1. Bemerkenswert ist, daß gewerkschaften, die dieser linie nicht folgen, keine gewerkschaften sein dürfen. Als die FAU im kampf um arbeiterrecht mal andere saiten aufzog, wurde ihr der status eine gewerkschaft sein zu dürfen, recht schnell aberkannt.

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