Donnerstag, 13. Juni 2019

Gefahr durch problemwähler: letztwähler!

Da hat doch glatt jemand den wahlwerbespot der PARTEI mit den »letztwählern« ernstgenommen und fordert, »Rentner gebt das wahlrecht ab!«. Das soll wohl irgendwie »umstürzlerisch« sein, ist aber nicht einmal originell, weil es bloß abgekupfert ist. Und dann auch noch diese merkwürdige verquickung zu den verkehrsunfällen, die angeblich besonders häufig von senilen senioren verursacht würden. Der führerschein auf probe wurde ende der 80er jahre eingeführt, weil über 60jährige zu besonders risikofreudigem fahrstil neigen. Traurige tatsache ist, daß die unter 25jährigen überdurchschnittlich häufig verunglücken und nicht, weil sie von rasenden wackelgreisen überfahren werden.

Johanna Roth:»Was wir brauchen, ist eine Epistokratie der Jugend«
Ja. Außerdem brauchen wir darmgrippe, fußpilz und pickel. Unbedingt.
Johanna Roth: »Anderer Leben gefährden ist das eine. Das andere: anderer Zukunft gefährden. Am Sonntagabend, als die Europawahl-Hochrechnungen kamen, zeigte sich: Unter 60 wurde hierzulande mit Blick auf die Straße gewählt, über 60 mit Blick in den Rückspiegel.«
Auch für unter sechzigjährige kann sowohl beim autofahren als auch beim wählen ein blick in den rückspiegel lebensrettend sein.

Interessant ist überdies, daß in dem text  der begriff über sechzigjährige mit rentner gleichgesetzt wird. Das kind hat offensichtlich noch nicht begriffen, daß die derzeitige regelaltersgrenze für die rente derzeit bei knapp 66 jahren liegt und bis zum jahr 2031 auf 67 jahre angehoben wird, sofern bis dahin nicht die rente ab 90 eingeführt wurde.
Johanna Roth:»Anderer Leben gefährden ist das eine. Das andere: anderer Zukunft gefährden. Am Sonntagabend, als die Europawahl-Hochrechnungen kamen, zeigte sich: Unter 60 wurde hierzulande mit Blick auf die Straße gewählt, über 60 mit Blick in den Rückspiegel. Die Zustimmung für die Grünen – die bei den unter 60-Jährigen vorne lagen und bei den Erstwähler*innen so viele Stimmen holten wie Union und SPD zusammen [...]«
Erstwählersterncheninnen sind für gewöhnlich unter 25 jahre alt. Somit können sie sich im jahr 2019 kaum daran erinnern, was in der zeit von 1998 bis 2005 politisch los gewesen ist - und schon gar nicht daran, was vorher war.
Johanna Roth:»Wer jung ist, wählt die Grünen, weil er*sie ein Bewusstsein für den Klimawandel überhaupt nur bei diesen sieht. Weil er*sie weiß, was auf dem Spiel steht. Und vor allem: Weil er*sie selbst davon betroffen ist.«
Zwar habe ich keine ahnung wer Ersternchensie ist, aber sie hat offenbar nicht begriffen, daß das problem des klimawandels schon recht lange bekannt ist und auch schon in den 80er jahren darüber diskutiert wurde, was man dagegen tun kann. Die GRÜNpartei schien dafür bewußtsein zu haben, als sie jedoch mitregieren durfte, war jede sauerei in ordnung, sie wurde von der GRÜNpartei mitgetragen. Ein pöstchen bei RWE, EnBW oder BMW oder so ist eben doch mehr wert als das bißchen umwelt, das vor die hunde geht.

Einer partei, die es für unmöglich hält, flugreisen auf drei stück pro nase und jahr einzuschränken, muß man selbstverständlich ein bewußtsein für den klimawandel unterstellen. Und zwar dafür, wie man den noch schneller hinbekommen kann.
Johanna Roth:»Liebe Mitwählende über 60, wir unter 30 hätten ja auch gerne was von diesem Wohlstand, nicht zuletzt weil wir schon jetzt ärmer sind, als unsere Elterngeneration es je war, uns von Befristung zu Befristung hangeln und eigentlich nie so richtig freihaben, weil wir unsere Wochenenden damit verbringen, die letzte noch bezahlbare Wohnung zu finden.«
Aha. Es geht also gar nicht ums klima, sondern um wohlstand. Hätte ich mir auch denken können.
Johanna Roth:»Leider habt ihr uns aber nicht nur eine prekäre Arbeitswelt hinterlassen«
Die prekäre arbeitswelt ist plötzlich vom himmel gefallen, weil die wähler, die heute über 60 sind (ein glück, daß ich zu denen noch lange nicht gehöre, deshalb habe ich damit nichts zu tun!) dafür gebetet haben, daß bitte, bitte schluß sein möge mit dem wohlstand in dieser welt, und daß es allen menschen späterer generationen schlechter gehen möge.

Es könnte aber auch sein, daß die prekäre arbeitswelt von der regierung so eingerichtet wurde. Der anfangsvorschlag von Peter Hartz war damals, jedem langzeitarbeitslosen 500€ plus warmmiete zu geben, dafür aber zu erwarten, daß die leute an fortbildungen teilnehmen und angebotene arbeitsstellen annehmen und gegebenenfalls, was es vorher auch schon gab, unwilligen das geld zu kürzen. Die GRÜNPARTEI hingegen wollte lieber einen schritt in richtung beschissenes grundeinkommen gehen, weshalb sie es als realistisch ansahen, den regelsatz für langzeitarbeitslose möglichst niedrig anzusetzen. Und dann haben sie mit den Sozen auf den schönen kompromiß des niedrigen regelsatzes bei vollem arbeitszwang und aufweichung des schutzes für arbeitnehmer gemacht.
Johanna Roth:»sondern auch den Planeten zugemüllt mit Kohlekraftwerken und Plastiktüten. Und ihr wollt über unsere Zukunft bestimmen?«
Bevor die GRÜNsternchenInnenpartei mitregiert hat, gab es bei vielen menschen mehr umweltbewußtsein als heute. Da war relativ klar, daß flugreisen, autos, plastikmüll, einwegflaschen schlicht und ergreifend nicht umweltfreundlich sind. Die GRÜNpartei hat keine umweltfreundlichere politik gemacht, sondern hat kapitalismusfreundliche geschäftsmodelle mit durchgedrückt.

Sowas wählt man gern nochmal.

Kommentare:

  1. Danke!

    Alles Notwendige gesagt und Punkt.

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  2. Dazu ist wirklich nicht mehr viel zu kommentieren. Vielleicht dieser Kalauer:

    Das Rentenkonzept der Grünen. Rentner über 67 dürfen ab 1.7.2019 bei Rot über die Fussgänger-Ampel gehen. Ab 1.1.2020 ist es Pflicht für Rentner, bei Rot über die Ampel zu gehen.

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    1. Und ab 1.4.2020 dürfen rentner mit der rollkrücke auf der autobahn fahren.

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  3. Vielen Dank für diesen Post. Ich habe den Link an die Autorin Roth weitergeleitet.

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