Mittwoch, 4. Februar 2015

Blasphemie: christen kaum humorvoller als moslems

Neues aus Dinkelsbühl. An sich sollte das plakat für die Sommerfestspiele Dinkelsbühl werben, auf dem unter anderem das musical »Jesus Christ Superstar« aufgeführt werden soll. Auf dem plakat sind drei gekreuzigte vor einem sonnenuntergang mit der unterschrift »Sichern Sie sich die besten Plätze!« zu sehen.

Bildschirmfoto Süddeutsche Zeitung
Das geht vielen christen zu weit. Dem intendanten des landestheaters Dinkelsbühl, Peter Cahn, wird blasphemie vorgeworfen, denn er mache sich über die kreuzigung jesu lustig, menschenverachtend sei es, dazu aufzufordern, sich dabei die besten plätze zu sichern. Überhaupt müsse das stück vom spielplan gestrichen werden, denn man dürfe sich nicht über einen allmächtigen und liebenden gott lustig machen.

Bleibt wie immer die frage offen, warum ein liebender und allmächtiger eigentich menschenverachtendes wie kreuzigungen zuläßt und ob es nicht eine merkwürdige angewohnheit ist, derartiges anzubeten.

Eine aufführung der rockoper »Jesus Christ Superstar« habe ich als jugendliche mal im theater gesehen. Das stück ist dermaßen blasphemisch, daß es sogar schon auf Radio Vatikan lief.

Kommentare:

  1. kevin_sondermueller4. Februar 2015 um 22:04

    Monotheismus und Humor passt irgendwie nicht zusammen –
    nur die Juden haben das irgendwie virtuos hingekriegt!

    Aber die müssen schon immer helle gewesen sein: nicht mal
    der brennende Dornbusch konnte ihnen das Kopflicht auspusten.

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    1. In der aktuellen »titanic« gibt es einen schönen startcartoon (leider nicht im internet): ein foto einer synagoge auf die ein mann zugeht (man sieht dessen rückseite. Der hat ein langes gewand an und einen turban auf dem kopf). Überschrift: Aus scham über attentate: Mohammed konvertiert zum judentum! Denkblase: »die haben wenigstens humor!«

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  2. Meiers Nägel ist auf der Suche nach einem Profi, der Plakate für eine Werbekampagne entwirft. Der erste Versuch: Jesus am Kreuz, dazu der Spruch "Meiers Nägel nageln alles". Herr Meier ist zwar brüskiert, gibt dem Profi aber eine zweite Chance. 2. Entwurf: ein leeres Kreuz, drunter liegt Jesus. Dazu der Spruch "Mit Meiers Nägeln wär das nicht passiert"
    Der hat den Auftrag nicht bekommen.
    Und Du kanntest den Witz sicher schon.
    Aber der ist so gut, den kann man mehrmals hören oder lesen ...

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  3. Ich könnte mich jetzt lang und breit über Lloyd-Webber und dessen in vielerlei Hinsicht oberflächliches, manchmal überraschend gutes und oftmals einfach nur peinliches Werk auslassen - aber das erspare ich Dir und allen Mitlesenden besser. ;-)

    Jedenfalls gehört seine zweite Publikation, "Jesus Christ Superstar", trotz des christlichen Themas (es ist im Grunde nichts anderes als eine modernere Version eines Passionsspiels) zu seinen eher gelungenen Arbeiten, was zu einem nicht unerheblichen Teil aber mit den damals involvierten MusikerInnen der Originalproduktion von 1970 zusammenhängt. Zu erwähnen sind da unter Anderem der damalige Deep-Purple-Sänger Ian Gillan in der Rolle des "Jesus" (Gillan schreit hier mindestens so schön wie in "Child in Time" aus demselben Jahr) und Murray Head als "Judas".

    Das Rock-Musical ist damals schon auf breite Kritik aus den puritanischen Reihen der Kirchen gestoßen - im Laufe der folgendenden Jahrzehnte hat das wohl etwas nachgelassen (es gab in Deutschland sogar Kirchentage, auf denen das Stück aufgeführt wurde), weil die Aufführungen immer weiter "entschärft" wurden, aber es wundert mich nicht im Geringsten,wenn die überalle erstarkenden Erzkonservativen aus den Reihen der "Nächstenliebe" predigenden und Hass und Ausgrenzung praktizierenden christlichen Heuchler wieder lauter werden.

    Ich muss allerdings auch sagen, dass ich das erwähnte Plakat, sofern es sich nicht um Satire handelt, völlig bescheuert finde. Ich jedenfalls hätte es beim ersten unbedarften Ansehen für ein gelungenes Projekt der Titanic-Redaktion gehalten ... ;-)

    Liebe Grüße!

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    1. Über Andrew Lloyd-Webber, den ich nicht übermäßig mag, müssen wir wohl tatsächlich nicht diskutieren. Die originalproduktion mit Ian Gillian und Murray Head kenne ich natürlich auch. Ich weiß nicht, in wie weit sie das heute »entschärft« haben, interessiert mich aber auch nicht so richtig.

      Das plakat ist deren voller ernst und überhaupt nicht als satire gemeint. Ja, das ist doof. Allerdings hatte ich gleich die schlußsequenz aus »Das Leben des Brian« vor augen, obwohl ich den film seit ewigkeiten nicht gesehen habe, weshalb ich es erstmal komisch fand und drüber lachen mußte.

      Liebe grüße

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