Sonntag, 18. November 2012

Wir sind bloed

Seit anfang november läuft in Berlin eine aktion, die mich an eine szene aus dem film »Das Leben des Brian« erinnert: der »held« der geschichte wird ans kreuz geschlagen. Ob ihn nun tiefe ungerechtigkeit oder simpel die eigene dummheit dorthin gebracht hat, tut eher nichts zur sache.

Beschämend ist, daß seine bewunderer nichts dafür tun, sein leben zu retten, sondern bloß davon reden, wie toll sie es finden, daß er sich aufopfert. Sogar ein selbstmordkommando kommt und bringt sich aus solidarität am fuße seines kreuzes um. 

Im film wirkt das absurd. Aber offensichtlich ist nichts grotesk genug, als daß es das nicht im richtigen leben geben könnte. In Berlin hat sich einer mutwillig in die situation gebracht, vom jobcenter nahezu komplett sanktioniert zu werden. Solidaritätsheischend möchte ein verein, daß man fleißig mithungert.

Als ob dadurch irgendein problem gelöst werden könnte. Die regierung hat sich noch nie durch ein paar tote erpressen lassen.

In diesem staat ist es völlig normal, daß menschen verhungern oder erfrieren, da erscheint es bescheuert, ausgerechnet von diesem staat zu verlangen, er möge es so einrichten, daß man hier vernünftig leben kann. Ein derartiges vertrauen darf man in diesen staat nicht haben.

Über das grundeinkommen und dessen risiken und nebenwirkungen habe ich mich hier und hier ausgelassen, nach wie vor empfehle ich zu diesem thema den vortrag von Wolfgang Rössler.

Für so etwas in hungerstreik zu treten ist keine gute idee. Natürlich ist es abzulehnen, die wohltätigkeitsmülldeponie »tafel« aufzusuchen. Stattdessen jedoch eine anders organisierte armutsbetreuung zu fordern, die dann »grundeinkommen« genannt werden soll, ist die totalverweigerung, sich mit den zwangsläufigen problemen auseinanderzusetzen, die unser wirtschaftssystem mit sich bringt.

Kommentare:

  1. Der 1-Euro-Blog möge beschließen, anstatt "Hungerstreik" "Sanktionshungern" zu sagen.

    AntwortenLöschen
  2. An sich bin ich der auffassung, daß es das »1-euro-blog« heißen muß, »blog« kommt von weblog, was sowas wie ein logbuch ist und das ist meiner auffassung nach sächlich. Dies sei aber nur nebensächlich bemerkt.

    Wenige tage bevor ich dies artikelchen schrieb, wurde im verlinkten blog noch durchaus noch von »hungerstreik« geschrieben. Offenbar sind die erst später drauf gekommen, daß »sanktionshungern« was völlig anderes als ein hungerstreik sein soll. Selbstverständlich werde ich das nicht ändern.

    AntwortenLöschen

anmerkungen willkommen, mißbrauch strafbar.