Dienstag, 15. Juli 2014

Montags zu hause bleiben - teil 2 - wer ruft zur montagmahnwache auf?

Was sagt Lars Märholz eigentlich selbst? Videobotschaft vom 16. april des jahres:

Zitat:
»Also, mein name ist Lars Märholz, ich bin in Berlin geboren, ich bin 34 jahre alt und anfang des jahres habe ich mich ein bißchen intensiver mit der geschichte beschäftigt und mit dem finanzsystem und - ja kurze zeit später kam halt der höhepunkt der krise in der Ukraine und die berichterstattung der westlichen medien dazu und das hat mich halt dazu gebracht auf die straße zu gehen.«
Das ist komische erklärung. Da befaßt sich der unpolitische mensch mal ganz zufällig ein bißchen mit geschichte und finanzsystem und schon ist er voller tatendrang, weil es in der Ukraine brennt und da ja was gemacht werden muß.

Da ist ihm 34 jahre lang am arsch vorbei gegangen, was in der welt läuft und, potzblitz, kommt so eine verflixte »erleuchtung« daher und der eventmanager muß gleich ein event managen, weil es ja wichtiger ist, eine massenbewegung ins leben zu rufen, als vielleicht selbst erst mal zu igendetwas zu begreifen.

Zitat:
- Demonstration vs Mahnwache
»Ja, demonstration ist ein sehr negativ belegter begriff. Deswegen wollten wir eine mahnwache veranstalten und die welt ermahnen, daß sie mal da hinkuckt auf sich selber und feststellt in welcher situation wir vielleicht sind und was man ändern müßte.«
Demonstration ist überhaupt kein »negativ belegter begriff«. Negativ wird dieser begriff eher in konservativen und vor allem reaktionären kreisen gesehen und das läßt darauf schließen, in welchem umfeld Märholz sich bewegt. Er tritt zwar allein auf spricht aber von »wir«. Wer soll dieses »wir« denn sein?

Dieses »die welt ermahnen« wirkt kindisch. Die welt kann nicht auf sich selber schauen. Die welt kann nur von den menschen betrachtet werden, die in ihr leben. Vor das »ändern« gehört das begreifen der aktuellen situation - und die diskussion, was denn wie zu ändern sei.

Zitat:
- Motto und Ursprungsgedanken
»Ja, das motto ist der aufruf zum friedlichen widerstand für frieden in der welt in Europa, für eine ehrliche presse. Und gegen die tödliche politik der Federal Reserve, der Amerikanischen Notenbank, einer privaten bank. Und der titel hat sich ganz einfach daraus ergeben, daß frieden ja wohl das wichtigste auf dem planeten ist. Und die medien leider dagegen arbeiten, manchmal. Und die Federal Reserve der anfang allen übels ist, mit dem zinseszinssystem, mit dem fiatmoney, was wir auf dem planeten haben. Und so hat sich der titel halt ergeben. Vom anfang bis zum ende alles aufgelistet.«
An den lebensverhältnissen im weltkapitalismus ist auch ohne waffengewalt gar nichts friedlich. Die abschaffung des zinseszinssystems würde nichts an der ausbeutung des menschen ändern. Das was für die banken zins und zinseszins ist, heißt bei den anderen ausbeutern »gewinn«. Wer da einen unterschied macht, findet vermutlich auch scheiße wiederlich, während kacke etwas viel besseres sei.

Es handelt sich um nichts anderes als zwei unterschiedliche begriffe für die selbe sache. Wer wissen möchte, wie es sich damit verhält, kann beispielsweise an dieser stelle etwas darüber erfahren.

Eine ehrliche presse wird es mit den medien, die er selbst verlinkt, leider auch nicht geben. Die mögen dinge berichten, die schwachsinnig genug sind, von den »mainstreammedien« weitgehend ignoriert zu werden, ehrlicher ist daran jedoch nichts, weil die genau so darauf ausgerichtet sind, geld zu verdienen, wie die anderen arschlöcher auch.

Zitat:
- Warum ist die FED so wichtig?
»Die Federal Reserve ist sozusagen die zentralbank der zentralbanken, also selbst wenn man sagt, da gibt es keine hierarchie im zentralbanksystem, die Federal Reserve kontrolliert alle anderen zentralbanken in 186 ländern oder 187 ländern der welt. Und - em - die meisten kriege, die Amerika führt - em - als angriffskriege, sind kriege um die währung zu stabilisieren. Es geht auch nicht mehr wirklich ums öl. Es geht lediglich darum, die währung zu stabilisieren.«
Daß es »nicht einmal mehr um öl«, sondern bloß noch um die stabilität der währung ginge, ist eine behauptung aber kein beweis, daß die FED wichtig sei und hört sich überdies so an, als sei ein krieg um öl eine ehrenwerte angelegenheit, während währungsstabilität etwas minderwertiges sei. Für eine funktionierenden kapitalismus ist beides wichtig.

Während des Kalten Krieges waren die Sowjets zur zweiten supermacht aufgestiegen, der Warschauer Vertrag bildete ein gegengewicht zur NATO. Dadurch konnten die geostrategischen interessen der USA behindert werden.

Nach dem zerfall der Sowjetunion blieben die Vereinigten Staaten alleinige weltmacht übrig. Und das wollen sie auch bleiben. Aus dem grund muß Rußland möglichst schwach gehalten werden und die position der NATO in Osteuropa und überall sonst möglichst gestärkt werden. Mit der FED und der währungsstabilität hat das wenig zu tun.

Vielmehr geht es um die stabilisierung und sicherung der vormachtstellung der weltmacht. Da kommen ganz andere interessen zusammen als nur das interesse einer einzelnen bank, in sofern ist es lächerlich, alle schuld auf die FED zu schieben.

Zitat:
- Was ist das Programm der Mahnwachen?
»Das programm der mahnwachen ist ›Frieden auf der Welt‹. Und informationen zu verbreiten. Es sind ja auch informationsveranstaltungen unter freiem himmel. Die Menschen brauchen informationen oder müssen informationen bekommen, die sie so nicht erhalten. In den öffentlich-rechtlichen medien nicht oder selbst in der schule nicht. Das kriegt man halt nur, wenn man im internet selber recherchiert - und das ist eigentlich die aufgabe die wir heutzutage haben. Wir müssen unsere informationen selber recherchieren. Wir können nichts mehr glauben, was uns gesagt wird. Und das ist auch die aufgabe der mahnwache. Information zu verbreiten«
Sich zu informieren ist sicherlich eine gute sache. Ob demos, zu denen einer aufruft, der selbst von sich sagt, sich erst seit anfang des jahres mit politik zu beschäftigen, darf angezweifelt werden.

Die seiten die Märholz verlinkt, sind jedenfalls für eine vernünftige information völlig ungeeignet.

Zitat:
Wie begann die Vernetzung?
»Ja und dazu hat ›facebook‹ einen großen beitrag geleistet. Und ich hab eine veranstaltung erstellt und hab die immer auf den seiten von ard und zdf und tageszeitungen und so was gepostet. Und das hat dazu geführt, daß an der ersten mahnwache hundert leute teilgenommen haben, von denen 60, 70 % noch niemals auf einer demo gewesen sind und die ich alle nur über diese nachrichtenseiten, ja, auf diese veranstaltungen gezogen habe. Und die verstanden haben, daß es wichtig ist, für frieden auf die straße zu gehen.«
Komisch, daß die FED »böse« ist und die datenkrake facebook »gut«. Das verstehe, wer will.

Zitat:
- Welche Form der Unterstützung könnt Ihr gebrauchen?
»Die größte form der unterstützung die wir alle brauchen sind ganz viele leute auf der straße, in ganz Deutschland, also wenn ihr helfen wollt, dann geht auf die straße. Kommt zu uns. Unterhaltet Euch mit uns und dann wird sich alles weitere ergeben.«
- Wie war die Resonanz auf den ersten Aufruf?
»Ja, also wie gesagt 100 leute standen am ersten montag - em - vorm Brandenburger Tor, ungefähr 400 beim zweiten montag schon, und dann 1400 leute am dritten montag. Und seit dem steigert sich das immer so um 3, 4, 500 leute, also die resonanz ist sehr gut und wir sind mittlerweile in 23 städten in Deutschland am start sozusagen. Also 23 mahnwachen in ganz Deutschland und mittlerweile sind das so 5.000 menschen, die jeden montag schon auf der straße stehen.
Die frage ist, wofür die menschen auf die straße gehen. Einfach das »fußvolk« für ein paar überdrehte selbstdarsteller zu geben, ist keine angelegenheit, die die welt bewegt.

Zitat:
- Von wem hast Du Hilfe bekommen?
»Die energie in der gruppe, also das ist so unglaublich - em - in Berlin hat noch kein pfennig den besitzer gewechselt. Alles, was da passiert, machen die leute ehrenamtlich. Für die sache und keiner will irgendwie geld haben oder sowas und das ist schon eine riesenunterstützung aus der gemeinschaft halt kommt die unterstützung.«
Auf linken demos ist es an sich üblich, daß eine spendendose rumgeht und jeder, der eine münze oder zwei übrig hat, gibt etwas dazu. Nicht, weil damit die veranstalter ein vermögen verdienen, sondern, damit die leute, die sich drum gekümmert haben eine aufwandsentschädigung bekommen. In einem geldbasierten system ist man gezwungen für alles zu bezahlen, ob einem das gefällt oder nicht.

Daß »kein pfennig den besitzer gewechselt habe« glaube ich sofort. Schließlich leben wir im jahr 2014 und kein mensch rechnet mehr in pfennig. »Ehrenamt« heißt schließlich keinesfalls kostenlos, für ein ehrenamt kann es durchaus aufwandsentschädigungen geben, es gibt vereine, die aufwandsentschädigungen in millionenhöhe für ehrenämter zahlen. Das will ich jetzt nicht unterstellen, aber wer so betont, was eigentlich selbstverständlich ist, macht sich ein wenig verdächtig.

Zitat:
- Wer ist auf den Mahnwachen willkommen?
»Auf den mahnwachen ist jeder mensch willkommen, der friedlich demonstieren kann. Also - em- extreme gesinnungen sind nicht gerne gesehen. Wir wollen weder linksextreme, noch rechtsextreme, noch irgendwelche extremen religionen oder irgenwas. Also jeder extremismus ist nicht gerne gesehen. Aber ansonsten kann jeder, ob er nun etwas links gerichtet ist oder etwas rechts gerichtet ist. Soll jeder kommen, solange er friedlich mit uns da steht und gemeinsam für ein ziel.«
Interessanterweise ist es kein problem, daß menschen, die extremen vereinigungen angehören, auf den montagsmahnwachen reden.

Zitat:
- Bist Du auf Widerstände gestoßen?
»Oh, ja und zwar unglaubliche widerstände. Und das von einer seite, von der ich es überhaupt nicht erwartet hätte. Die, äh, linken, die vermeintlich linken, em, die hetzen so auf uns, das ist ist unglaublich, mir wird unterstellt ich hätte den Holocaust geleugnet, mir wird unterstellt ich sei antisemit und das sind ganz einfach ganz, ganz plumpe lügen und verleugnungen. Und em, ich würde sowas niemals sagen. Nur, weil man dieses große wirtschaftssystem angreift, sagen die linken jetzt ich bin rechts. Das ist total krass dabei ist es doch die aufgabe der linken dieses wirtschaftssystem anzu… äh, äh, ja also anzukreiden oder dieses wirtschaftssystem zu kritisieren. Genau.«
Als linke, also vermeintlich linke, stelle ich fest, daß der Märholz dieses »große wirtschaftssystem« im grunde überhaupt nicht angreift. Er glaubt bloß, daß eine bestimmte angelegenheit innerhalb dieses systems »schuld« an allem übel in der welt sei.

Er ist nicht der erste, der das geglaubt hat. Auf kritik am system, die keine ist, kann man getrost verzichten.

Zitat:
- Welchen Vorwürfen siehst Du Dich ausgesetzt?
»Ja, also wie gesagt, die vorwürfe gehen halt in die politische richtung, daß man sagt ich bin rechts. Ich war noch nie rechts. Also, wenn dann bin ich kapitalist und trotzdem stehe ich da und wetter gegen diesen kapitalismus. Weil der wirklich den planeten zerstört. Also wie gesagt, auf der veranstaltung hat noch kein pfennig den besitzer gewechelt. Wir nehmen am ende der veranstaltung keine spenden entgegen. Und wir wolln uns auch ganz klar erstmal von irgendwelchen finanziellen sachen distanzieren. Wir machen das alle ehrenamtlich. Und alle kostenlos nicht umsonst.«
Es ist schon komisch, daß Märholz nun zum zweiten mal betonen muß, daß es keine finanziellen interessen gäbe und alle ehrenamtlich agieren würden. Das stinkt.

Henry Ford war ebenfalls kapitalist. Und hat sich hingestellt und gegen den kapitalismus gewettert. Selbstverständlich nicht gegen seinen eigenen, sondern gegen den »falschen«, finanzbezogenen, »jüdischen« kapitalismus. Henry Ford war der einzige USAmerikaner, den Hitler in »Mein Kampf« erwähnte.

Und wenn man sich eine »kapitalismuskritik« zueigen macht, die der des antisemiten Ford gleicht, sollte man sich nicht wundern, wenn andere menschen imstande sind, eins und eins zusammenzuzählen und die rechte »kapitalimuskritik«, die das übel im finanzjudentum sah, als solche zu bezeichnen. Wobei die zinskritik an sich erst einmal nicht antisemitisch, sondern bloß unsinnig ist. Allerdings kommt bei manchen leuten noch eine gewisse ideologie dazu.

Zitat:
- Was wünschst Du Dir für die Zukunft?
»Das ziel der ganzen sache wäre, daß vielleicht irgendwann 30 millionen oder 50 millionen auf der ganzen welt auf der straße stehn und gemeinsam mit einer stimme sprechen. Und sagen dieses zentralbanksystem, dieses fiat money system und dieses zinseszinssystem sind drei probleme, die unbedingt gelöst werden müssen auf dem planeten. Um irgenwann mal möglicherweise langfristigen frieden herzustellen.«
Weshalb sollten millionen leute für unsinnige ideen auf die straße gehen? Das wäre millionenfache zeitverschwendung.

Zitat:
- Welche Botschaft möchtest Du an die Menschen im In- und Ausland senden?
»Daß gewalt niemals eine lösung ist. Daß die Griechen und die Spanier bitte, bitte, bitte ihre steine niederlegen und in einem friedlichen widerstand mit uns versuchen, die welt zu ändern. Gewalt wird niemals eine veränderung auf diesem planeten hervorrufen. Nur aus frieden und liebe können wir irgendwas verändern.«
Die staaten dieser welt sehen das selbst in friedenszeiten völlig anders. Da ist nichts mit frieden und liebe, sondern da wird die staatliche ordnung mit staatsgewalt aufrecht erhalten.

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