Sonntag, 4. August 2013

Und wieder kein schlüssiges argument, das für das »bandbreitenmodell« spricht (6)

Zitat:
» 4. Planwirtschaft ohne Geld - vollkommen unmöglich

Noch utopischer ist der Kommunismus durch "die Aufhebung des Geldes als Tauschmittel und den direkten, planvoll und gemeinschaftlich verwalteten, Warentausch." Kommunisten (und andere, die Geld abschaffen wollen), sind der Meinung, man könne vom Tampon bis zum Haus alles ohne Geld "planvoll tauschen".

Nun stellen Sie sich eine (Plan-)Wirtschaft ohne Geld vor. Es gäbe kein Tauschmittel, sondern nur einen direkten Tausch von Waren und Dienstleistungen.

Machen wir einen Praxistest. Angenommen, ein Durchschnittsbürger kauft täglich durchschnittlich nur 5 Dinge, vom Kaffee über Windeln und Äpfel über Benzin, Möbel etc. Das sind pro Jahr in Deutschland ca. 150 Milliarden Besitzerwechsel von Produkten, allein im Einzelhandel. Rechnen wir die gesamte Ökonomie mit all ihren Produktionsketten und Einzelteilen hinzu, wechseln über 1 Billion Produkte und Dienstleistungen pro Jahr in Deutschland den Besitzer. Hinzu kommt der internationale Warenaustausch.

Wer soll in diesem gewaltigen und extrem komplexen System auf welche Weise hellsehen und planen, wer wann und was in welcher Menge benötigt? Zumal niemand da ist, der durch Profite dafür belohnt wird, marktgerecht zu produzieren? «
Bei diesen behauptungen wird es tatsächlich ein bißchen arg bunt, fast könnte man schon davon sprechen, daß es haarsträubend durcheinandergeht.

Aber gut, wenn man schon nicht imstande ist, eine sache halbwegs vernünftig zu definieren, muß man wenigstens versuchen, sie zu widerlegen.

Nebenher ein paar worte zum thema geld und privateigentum. Denn bevor man beginnt, verbesserungsvorschläge für dies system einzureichen oder über alternativen zur kapitalistischen wirtschaftweise nachzudenken, ist es ratsam, sich wenigstens über einige grundsätzliche dinge im klaren zu sein:

Geld hauptsächlich als »nützliches tauschmittel« zu betrachten, ist eine grobe verharmlosung der verhältnisse, die in dieser kapitalistisch organisierten wirtschaft herrschen.

Privateigentum ist das recht, alle anderen von den sachen auszuschließen, die einem gehören und anderen den gebrauch nur unter bestimmten bedingungen zu erlauben. Mit allen gemeinheiten, die das mit sich bringt: so kommt es zwangsläufig zustande, daß auf der einen seite mit brot geheizt wird und es auf der anderen seite welche gibt, die nichts zu beißen haben. Oder daß leute keine wohnung finden, während gleichzeitig leerstehender wohnraum abgerissen oder anderweitig unbrauchbar gemacht wird, weil es die preise verderben würde, den wohnraum einfach auf die zu verteilen, die eine bleibe suchen.

Die breite masse verfügt über geld tatsächlich in erster linie bloß als tauschmittel. All diese leute darf man getrost als »arm« bezeichnen, auch wenn die offizielle armutsdefinition das nicht vorsieht. Mit dem »wohlstand« ist es selbst bei sogenannten »besserverdienern« nicht weit her. Die sind nicht vom problem befreit, sich jeden monat aufs neue geld zu verschaffen, weil selbst grundbedürfnisse, wie ein dach über dem kopf zu haben, als geschäftsmodell taugen, mit dem man den menschen das geld aus der tasche ziehen kann. Man bezahlt mit der miete nicht einfach die bauarbeiter und die baustoffe. Man bedient damit kapitalinteressen. Durch das bedürfnis nach einem obdach ist man gezwungen, das eigentum anderer zu geld zu machen. Konsum, selbst der banalsten dinge, macht arm und verhilft den kapitaleigentümern zu anstrengungslosem wohlstand.

Geld zu haben, ist erst spannend, wenn man es nicht bloß als tauschmittel besitzt, das man ständig aufs neue verdienen muß, um es verfressen zu können - und täglichen bedürfnisse aufbrauchen zu müssen. Interessant ist geld erst, wenn man so viel davon hat, es als kapital einsetzen zu können. Das bedeutet, in alle möglichen dinge geld zu investieren. Aber nicht, damit es am schluß einen berg von dingen gibt, die gebraucht werden, sondern um kaufkraft abzuschöpfen, weil ein lohnendes geschäft draus werden muß: aus geld mehr geld machen.

An diesen verhältnissen soll das BBM überhaupt nichts ändern. Ausgerechnet die figuren, in deren interesse den menschen diese sauereien aufgeherrscht werden, sollen mit zwang dazu gebracht werden, etwas menschlicher zu sein und für wenig arbeit viel geld rauszurücken. Als gäbe es nicht schon einen haufen gesetze, die den »arbeitnehmern« das leben ein wenig erleichtern sollen. Nur sind die abhängigkeitsverhältnisse eindeutig: wer von seinem recht gebrauch macht, fliegt raus. Der erwünschte profit und »abwesende arbeiter«, die zwar von der firma bezahlt werden, jedoch nichts tun, schließen sich aus.

Die behauptung, daß man ohne geld schwierigkeiten beim tauschen hätte, mag so wahr sein, wie sie will. Im zusammenhang mit kommunismus ungefähr genau so sinnreich als würde man sagen »das hühnchen legt keine iPhones, deshalb taugt es nichts!« Jeder, der einigermaßen bei trost ist, weiß, daß ein huhn für etwas anderes gut ist, als smartphones zu legen. Die idee »jeder nach seinen fähigkeiten, jedem nach seinen bedürfnissen« jedoch ist mit einer tauschwirtschaft nicht vereinbar. Tauschwirtschaft bedeutet auch bloß, daß jeder zusehen muß, sich möglichst viel zeug anzueignen, damit man igendwann zu dem kommt, das man haben will. Genau das ist kommunismus nicht.

Kommunistisch zu wirtschaften würde bedeuten, von der ewigen tauscherei abzulassen. Nicht mehr für einen »markt« und ein tauschgeschäft, sondern für die bedürfnisse der leute zu produzieren, damit es was zum verteilen gibt.

150 milliarden besitzwechsel, die angeblich stattfinden sollen, sind eine krause begründung gegen ein system, in dem es in kein privateigentum in diesem sinne geben soll. Man muß keineswegs hellsehen können, um zu wissen, wie viel brot gebacken werden muß, damit alle satt werden und wieviele winterstiefel produziert werden müssen, wenn niemand auf einem bein durch den schnee hüpfen soll.

Kapitalistische unternehmen planen sehr präzise ihre produktion, sie planen sogar den zu erwartenden gewinn. Allerdings können sie nie wissen, was die konkurrenz plant. Wenn man an einen angebotsorientierten markt herantritt, auf dem man erst bedürfnisse wecken muß, die vorher nicht da waren, um kaufkraft zu mobilisieren, kann man tatsächlich kaum wissen, wofür die menschen ihre kaufkraft, um die konkurriert wird, einsetzen werden. So passiert es fortwährend, daß an den orten, wo kaufkraft vorhanden ist, ein überangebot an waren gibt und ein teil der ware verdirbt, während es anderswo nicht einmal das lebensnotwendige gibt.

Das liegt nicht an »ungerechter verteilung«, sondern an der völlig marktkonformen spekulation auf ein gutes geschäft. Wer wird denn durch profit belohnt? Vielleicht der arbeiter, der dafür zu leiden hat, daß aus dem geschäft profit wird?

Das alles ist selbstverständlich nicht machbar, weil uns nur ein höheres wesen retten kann. In der schule erklärte man uns, daß kommunismus nie funktionieren könne, weil alle fahrrad fahren, aber niemand fahrrad reparieren wolle, und daß geld ein »nützlicher hebel« sei, menschen zum arbeiten zu »motivieren« (um nicht »zwingen« zu sagen). Damit kann man dreizehnjährige null-bock-kinder, die begriffen haben, daß es kinokarten und kaugummi nur gegen bares an der kasse gibt, durchaus beeindrucken. Die meisten erwachsenen menschen könnte es klar sein, daß sie fortwährend unentgeltlich mehrwert schaffen. Es gibt keinen grund, den mehrwert selbstlos an kapitaleigentümer zu übergeben, wenn man genauso gut für sich selbst und seinesgleichen arbeiten könnte.

Im nächsten und voraussichtlich letzten teil in dieser reihe, geht es unter anderem darum, was kommunisten von »magie« oder »paradiesversprechen« halten und was »mehrheitsfähigkeit« bedeutet.

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