Freitag, 4. April 2014

Wer kennt eigentlich Barbara Hendricks?

Die ist nicht die schwester von Jimi Hendrix, sondern merkwürdiger weise seit kurz vor weihnachten bundesumweltministerIn und niemand hat von ihr gehört oder gesehen.

Bis kurz vor ostern. Denn da kam sie mit einem energiesparförderprogramm für arme haushalte. Arme leute sollen einen zuschuß von 150 € erhalten, wenn sie einen kühlschrank mit der energieeffizienz a3plus kaufen. Das hört sich erstmal gut an.

Ist es aber nicht. Denn nur leute, die h4, wohngeld oder sozialhilfe bekommen, sollen unterstützt werden. Was ist mit armen rentnern oder geringverdienern, die keine sozialleistungen beantragt haben? Und »normalverdienern«, die oft auch alles andere als gut bei kasse sind? Denen würde ein zuschuß sicher auch helfen.

Außerdem soll nur leuten geholfen werden, die bereits einen kühlschrank haben. Und zwar einen, der mindestens zehn jahre alt ist. Hat die HendricksIn eine ahnung, wie lange kühlschränke aus dem untersten preissegment halten?

Als ich mal dringend einen kühlschrank brauchte, weil ich keinen hatte, aber das geld nicht für einen guten reichte, kaufte ich den billigsten der energieeffizienzklasse a. Der verkäufer fragte mich, ob ich eine zusatzgarantie für fünf jahre hinzukaufen möchte. Ich bin froh, daß ich es nicht getan habe, denn genau 19 tage, nachdem die zusatzgarantie abgelaufen wäre, ging der kühlschrank kaputt. Nach den abwrackregeln der umweltministerin würde einem armen in beiden fällen nicht geholfen werden, denn wer keinen kühlschrank hat, bekommt keinen zuschuß zu einem neuen und wer einen kaputten, aber nicht übermäßig alten billigkühlschrank hat, geht ebenfalls leer aus.

Wenn das mal nicht typisch für die Deutsche politik ist: es wird nicht denen geholfen, die dringend etwas benötigen, sondern denen, die bürokratische regeln erfüllen.

Auf Telepolis wird zum energiesparen der äußerst »schlaue« tip gegeben, daß man auch mit einem altgerät ca. 125 € sparen könne, wenn man seine milch anstatt auf 5°C nur auf 10°C kühle. Und es wird mal wieder über konsumanreize gemeckert, die leichter zu vermitteln seien als verhaltensänderungen.

Mein a3plus kühlschrank, den ich nach der katastrophe mit dem billigkühli gekauft habe (auf den mußte ich übrigens wochenlang kühlschranklos warten, weil im kapitalismus schließlich jedes ding jederzeit verfügbar ist) kühlt allerdings nicht nur auf 5°C, sondern, weil ich das so eingestellt habe, auf 3°C. Heute nachmittag habe ich einen rest milch aus einer packung, die am 27. märz (also donnerstag letzte woche) abgelaufen war, getrunken. Die hat noch völlig frisch geschmeckt. Das verfallsdatum gilt schließlich für eine kühlung bei 8°C. Ich verbrauche mit dem a3plus kühlschrank erheblich weniger strom und er erfüllt den zweck, den ein kühlschrank hat, besser: er hält die lebensmittel länger frisch, es passiert viel seltener, daß eßwaren schlecht werden.

Wenn es tatsächlich darum ginge, energie zu sparen, dann müßten stromfresser vom markt genommen werden. Und allen, die ein neugerät benötigen damit versorgt werden.

Aber darum geht es leider nicht.

Kommentare:

  1. Es soll ja eben gerade nicht denen geholfen werden, die Hilfe tatsächlich benötigen würden, egal ob nun Kühlschrank oder Mindestlohn. Das soll nach außen hin lediglich so aussehen, als ob.
    Zudem arbeitet man im Kapitalismus gern mal Hand in Hand: Der Hersteller von heutzutage unabdingbaren Elektroerzeugnissen mit den Energieversorgern, die Automobilhersteller mit den Mineralölkonzernen, usw.

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    1. Abgekartetes spiel: Für die armen leute fällt mit ein bißchen glück ein krümelchen vom tisch der industrieförderung.

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  2. Für die paar großzügig gewährten Krümelchen wird von unseren "Leistungs-, Leitungs- und Funktionseliten" aber zutiefst bekundete Dankbarkeit von den "Nicht- und Minderleistern" erwartet!

    Harzpeter (Sorry, da erschien beim absenden eben immer wieder "URL endet mit einem unzulässigen Domainnamen am Ende")

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  3. Bedingungsloses Grundeinkommen

    Liebe Mechthild,
    Beim sehen dieser Seite „Bedingungslose Grundeinkommen“ habe ich gedacht daß es zu Deines Interessengebiets gehört. Ich schicke es Dir ganz freibleibend zur Kenntnisnahme.
    http://mantovan9.blogspot.de
    Zur Erinnerung: In Belgien gibt es schon viele Jahre das „garantiertes Lebensminimum“ wie es hier heißt.
    Liebe Grüße aus Antwerpen,
    Nashenka

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    1. Liebe Nashenka,

      das »garantierte lebensminimun« in Belgien ist, soweit ich weiß, kein BGE, denn es wird nicht einkommensunabhängig ausgezahlt, wie das den befürwortern des bedingungslosen grundeinkommens vorschwebt, sondern mit nachweis von bedürftigkeit.

      Das von Dir genannte blog beruft sich auf die ideen von Werner Rätz. Die hatte ich vor etwas über einem jahr schon mal »am wickel«, mit link auf ebenjenes blog.

      Liebe grüße aus Berlin,
      Mechthild

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