Freitag, 19. Juli 2013

Und wieder kein schlüssiges argument, das für das »bandbreitenmodell« spricht (3)

Zitat:
»2. Warum das BBM nicht sozialistisch/kommunistisch ist

Das BBM ist sozial, weil es jedem Menschen weitaus mehr Gerechtigkeit, weitaus bessere Chancen, ein anständiges Einkommen und eine faire Teilhabe an der Wirtschaft ermöglicht. Das BBM ist jedoch nicht sozialistisch/kommunistisch, weil es:
  • mit Geld funktioniert (wobei niemand zu wenig Einkommen erzielen und niemand zu viel Vermögen besitzen kann)
  • ohne Planwirtschaft funktioniert. Die Unternehmen können produzieren und verkaufen was sie wollen, wie sie wollen, wo sie wollen, wann sie wollen, mit wem sie wollen, so viel sie wollen, zu selbst festgelegten Nettopreisen und zu gleichen Bedingungen innerhalb jeder Branche.
  • nicht im sozialistischen Sinne bzw. im Nachhinein umverteilt wird. Alle Menschen haben zwar ein hohes Mindesteinkommen, aber es entsteht nicht durch Enteignung der Reichen, sondern durch eine faire Beteiligung der Menschen während der Wertschöpfung.
  • die Ungleichheit hinsichtlich der Einkommen und Vermögen der Menschen zwar erheblich verringert, aber nicht beseitigt wird (ein akzeptables Maß Ungleichheit ist aus psychologischen Gründen bzw. zu Motivationszwecken unumgänglich).
  • keine Zwangs- oder Vollbeschäftigung verordnet wird. Wer arbeiten will, findet im BBM eine gut bezahlte Arbeit mit guten Arbeitsbedingungen. Wer nicht arbeiten will, muß das nicht tun. (siehe auch Vergleich mit dem alten Grundeinkommen unter www.bandbreitenmodell.de/bge). Die Menschen haben die Wahl, ob sie sich als reines Steuersparmodell ("abwesende Arbeitnehmer" als Rentner, Student, Hausfrau/-mann, Mutter/Vater, etc.) für mindestens 2.000 € monatlich auf eine Gehaltliste setzen lassen wollen, ohne zu arbeiten. Oder ob sie sich als Auszubildende anstellen lassen wollen. Oder ob sie in Teilzeit oder Vollzeit arbeiten und erheblich mehr Geld verdienen wollen. Siehe "Arbeitsplatzpämiengesetz", Punkte 3ff sowie "Bandbreitenmodell aus Unternehmersicht", Seite 6. Das BBM bedeutet die totale Entscheidungsfreiheit der Arbeitnehmer, die durch das Überangebot an Arbeitsplätzen den Arbeitgebern sagen können: "Sie dürfen mich nur dann auf Ihre Gehaltsliste setzen, wenn Sie mir das Einkommensmodell bieten, das ich wünsche." Das BBM bedeutet also nicht zwangsläufig Arbeit für alle, sondern Einkommen für alle.
  • das Privateigentum der Menschen nicht berührt wird (das BBM funktioniert sowohl mit privaten als auch mit verstaatlichten Unternehmen).
  • nach wie vor das Streben nach Profiten die Antriebsenergie und Motivation von Unternehmern ausmacht, was im Sozialismus völlig fehlt
Ein passender Begriff für das BBM wäre eine "dressierte soziale Marktwirtschaft". Verfechter einer wettbewerbsintensiven Marktwirtschaft werden rätseln, ob sie sich über einen weiteren Wettbewerbsfaktor freuen sollen: Für die Unternehmen kommt zum Wettbewerb um die meisten Kunden/Umsätze, die besten Produkte, die niedrigsten Kosten, die besten Standorte und die besten Mitarbeiter lediglich 1 Wettbewerbsfaktor hinzu - der Wettbewerb um ausreichend viele Mitarbeiter. «
Das BBM hat beileibe nichts mit sozialismus oder gar kommunismus zu tun, sondern ist ein spießbürgerliches moralinprogramm, daß durch puren zwang die gegensätze dieses wirtschaftsystems keinesfalls abschaffen sondern versöhnen möchte. Das ist keine gute idee, weil
  • die vorstellung, daß eben bloß mal »gerechter verteilt« werden müßte und es ein hohes mindesteinkommen und ein maximalvermögen geben soll, eine merkwürdige ist. Das widerspricht dem einzigen zweck, den der kapitalismus hat: akkumulation von kapital.
  • es keine große errungenschaft ist, wenn unternehmen produzieren und verkaufen können, was sie wollen. Das problem daran ist, daß sie auch verkaufen müssen und wenn es kein zahlungskräftiges bedürfnis nach den hergestellten waren gibt, dann kann das zeug qualitativ so hochwertig sein, wie es will.

    Allein die absetzbarkeit für einen möglichst hohen gewinn zählt.
  • im kommunismus nicht produziert und im nachhinein umverteilt wird . Der zweck der produktion ist nicht der verkauf von waren zur kapitalakkumulation, um am schluß ein krümelchen umzuverteilen. Produziert wird, um etwas zum verteilen zu haben.
  • es kaum festlegbar ist, welches maß an »ungleichheit« akzeptabel sei.

    Die ungleichheit im kapitalismus liegt nicht darin, daß er eine sich einen Mercedes leisten kann, während der andere sich nicht mal ordentliche schuhe zum zufußgehen kaufen kann. Die ungleichheit besteht darin, daß die einen vermögen haben und ihr einkommen aus kapitalgewinnen ziehen und die breite mehrheit malochen gehen muß, nicht nur um den eigenen lebensunterhalt zu verdienen, sondern gleichzeitig noch das einkommen eben jener vermögenden. Und wenn letzteres nicht passiert oder nicht in ausreichendem maße, verlieren die habenichtse ihre lebensgrundlage.

    Dies problem löst das »bandbreitenmodell« nicht. Im gegenteil: wenn man als auf lohnarbeit angewiesener mensch seinem interesse nachgeht, nämlich viel geld für möglichst wenig arbeit zu erhalten, schädigt man sich selbst, weil dann kein oder nicht genug gewinn erwirtschaftet wird und die gesamte produktion gar nicht erst stattfindet, nicht einmal unter zwang.

    Und das ist wirklich inakzeptabel.
  • kommunismus die emanzipation des lohnarbeiters bedeutet - völlig geschlechtsneutral. Er verordnet keine zwangsbeschäftigung. Lohnarbeit wird abgeschafft, es gibt nur noch notwendige tätigkeit - es ist dann völlig egal, ob man zu hause kinder oder alte betreut, studiert oder irgendwo in der produktion arbeitet. Gearbeitet wird nicht, um ein geschäft daraus zu machen, sondern um am schluß das ergebnis der arbeit zu haben.

    »Zwangsbeschäftigung« gab es übrigens auch im realsozialismus der DDR nicht. Es war durchaus möglich, zu hause zu bleiben, um beispielsweise kinder zu betreuen. Allerdings konnte man nicht »sein geld für sich arbeiten« lassen, wie es im kapitalismus möglich ist, das heißt schließlich nichts anderes als zu investieren und andere für den eigenen lebensunterhalt schuften zu lassen.

    Beim »bandbreitenmodell« hingegen sollen alle menschen an die »edlen zwecke« der kapitalisten gekettet werden. Es ist völlig absurd, von denen, die heute menschen für unter 3 € die stunde schuften lassen zu erwarten, daß sie sich zwingen lassen, geld für nicht arbeitende menschen rauszurücken.

    Das ist auch heute schon alles andere als verboten, würde den gewinn schmälern und somit die steuern senken. Weil das gewinnschmälernd ist, muß um jeden einzelnen lohnpfennig gekämpft werden.
  • privateigentum der grund für die armut im kapitalismus ist. Das mag paradox klingen. Ist aber so. Mit dem begriff »privateigentum« meinen kommunisten nicht die eigene zahnbürste oder das zeug, das man in seiner wohnung rumstehen hat, sondern das private eigentum an produktionsmitteln mit dem die minderheit die mehrheit erpreßt.

    Stattdessen sollen die kapitalbesitzer beim »bandbreitenmodell« nicht aufhören, ihren interessen nachzugehen, die leute auszupressen, aber halt nicht so sehr. Auch eine idee, wenngleich auch keine gute. Gesetze sind dazu da, daß man sie umgeht. Auch heute ist es alles andere als verboten, menschen für ihre arbeit gut zu bezahlen. Gemacht wird das nicht übermäßig oft.
  • weil im kommunismus niemand mehr die antriebsernergie benötigt, andere menschen auszupressen.

    Ist aber auch schlimm, wenn die menschen nicht mehr erpreßt werden können, einen profit für ihre arbeitgeber zu erwirtschaften. Ist selbstredend keine motivation, einfach nur die ergebnisse der arbeit zu haben, anstatt wenigstens mal schön ausgebeutet worden zu sein.
Alle programme den kapitalismus zu »zähmen« sind gescheitert, weil es im widerspruch zu diesem system steht, einfach mal nett zu den arbeitern zu sein. Als einen ansatz zur »dressierten marktwirtschaft« könnte man beispielsweise die wirtschaftspolitik unter kanzler Brandt in den 70er jahren bezeichnen.

Nichts ist geblieben vom sozialen fortschritt, den es tatsächlich gab. Aber nicht, weil das alles nicht mehr bezahlbar gewesen wäre, sondern weil das im widerspruch zu den kapitalinteressen stand.

Im nächsten teil geht es um die behauptung, daß für einen sozialismus oder kommunismus selbstlosigkeit notwendig sei und warum diese behauptung blödsinn ist.

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