Freitag, 31. Juli 2020

Schreckensherrschaft

Zeter! Mordio! Es ist was passiert! Und offensichtlich habe ich es mal wieder voll verpennt. Als ich heute spätnachmittags auf einer bank an der Panke saß und versonnen ein fläschchen bier öffnete, fiel mir beim blick auf das glotzophon auf, daß der Demokratische Widerstand gefühlt nahezu stündlich seine newsletter raushaut und ich die eigentlich überhaupt nie lese. Wenigstens mal reingucken... und tippte wahllos auf einen, es war der vom 28. juli, 10uhr22 (morgens) und las folgendes:
Zitat Newsletter Demokratischer Widerstand: »Liebe Demokratieliebhaber!

Noch drei Tage...

bis zum Ende der Schreckensherrschaft!

Noch drei Tage, bis wir geeint gegen das wahnhafte Corona-Regime von Regierungsapparat, Pharmakonzernen, digitaler Totalkontrolle und Regierungs- und Konzernmedienherrschaft und das Spiel mit der Angst friedlich die Demokratie und freie Debatte wiederherstellen werden.«
Habe ich irgendwas verpaßt? Mir ist nichts verdächtiges aufgefallen. Auf dem marktplatz vor dem rathaus stand keine guillotine, da bin ich sicher, dort waren die üblichen marktbuden und vor den cafés und dönerbuden saßen leute in der sonne. Im grunde ein völlig normaler sommerferientag, nur weniger touristen als sonst, was mich aber nicht störte.

Ich verschloß mein bierfläschchen und ging grübelnd nach hause. Schreckensherrschaft, wahnhaftes coronaregime, totalkontrolle, konzernmedienherrschaft und noch besser: regierungsherrschaft. Als ob letzteres in der Bundesrepublik und anderen sich »demokratisch« nennenden staaten je anders gewesen wäre.

Zu hause ging ich als erstes ans bücherregal und schaute in den Brockhaus, um herauszufinden, ob ich den begriff »schreckensherschaft« überhaupt richtig einordne, wie es aussieht schon, denn dort stand folgendes:
Zitat dtv Brockhaus: »Schreckensherrschaft, blutige Gewaltherrschaft, bes. die der radikalen Jakobiner 1793/94 während der Frz. Revolution. (›Terreur‹)«
Vielleicht leben die figuren vom Demokratischen Widerstand in einem seltsamen Parallelberlin in dem es tatsächlich eine schreckensherrschaft gibt und das mit dem Berlin, in dem ich lebe, nicht viel zu tun hat. Aber wenn schreckensherrschaft das verschnarchte zeug ist, das hier in den vergangenen monaten los oder eben nicht los war, dann könnte ich mich womöglich fast ein bißchen damit anfreunden.

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