Donnerstag, 31. Januar 2019

Biertrinkende radfahrende

Gendergerechte sprache, neulich im Deutschlandfunk: »Unter geschicktgendern.de finden sich für viele Begriffe auch gender-gerechte Alternativen. Ich habe da mal nachgeschaut: Für Bürgermeister wird dort zum Beispiel das neutrale Stadtoberhaupt empfohlen, oder für Mieter Mietperson, oder für Zeuge bezeugende Person.«

Den begriff »bügermeister« kann man sicherlich auch durch »stadtoberhaupt« ersetzen. Aber wenn Dinge die man mit einem kurzen begriff ausdrücken kann durch blähwörter künstlich aufgepustet werden, wird es blöd. Sicher kann man die begriffe »zeuge« oder »bezeugende person« synonym verwenden. Der kürzere begriff ist besser, weil man mit längerem gefasel dem leser oder hörer (achtung ich gendere selbstverständlich nicht) zeit stiehlt und das ist schlechter stil. Anstatt »mieter« »mietperson« zu sagen, geht überhaupt nicht. Eine wohnung, die man mieten kann, ist eine »mietwohnung«. Ein auto, das man mieten kann, ist ein »mietauto«. Für politiker, die sich gegen geld in talkshows den hintern plattsitzen und wirtschaftsfreundliche phrasen dreschen, wurden vor einigen jahren mit dem begriff »mietmaul« bedacht. Der sprachlogik folgend, ist eine »mietperson« nicht mieter einer sache, sondern ist eine person, die gemietet werden kann. Wofür auch immer.

Den begriff »geschickt gendern« kann man offenbar synonym mit »ungeschickt sprechen (oder schreiben)« verwenden.

Die seite »geschicktgendern.de« hat ziemlich viele merkwürdigkeiten im programm. Anstatt »mädchen für alles« soll man lieber »person für alles sagen«. Jedoch bezieht sich dieser begriff überhaupt nicht auf das geschlecht, sondern auf die tätigkeit, nämlich alle anfallenden arbeiten erledigen zu müssen. Oder, um noch ein beispiel zu nennen, sei das wort »apotheker« im plural diskriminierend und man solle stattdessen »arzeineikundige« sagen. Meines wissens ist »apotheker« jedoch eine geschützte berufsbezeichnung, so darf man sich nur nennen, wenn man ein pharmaziestudium erfolgreich abgeschlossen hat, als »arzeneikundig« hingegen kann sich jeder bezeichnen, der schon mal eine giftpflanze geraucht hat und meint, eine heilende wirkung entdeckt zu haben. Eine derartige aufweichung von begriffen ist nicht nur sprachlich meschugge, sondern unter umständen lebensgefährlich. Sofern es irgendwelche apotheker gibt, die dem dritten geschlecht angehören, dürften die sich herzlich bedanken für die entwertung des begriffs für ihren beruf. Also ich zumindest würde das tun.

Seit einiger zeit werden in Berlin verkehrsinfos geschlechtsneutral formuliert. So werden aus fußgängern zufußgehende und aus radfahrern radfahrende.

Zum glück ist’s bald wieder frühling. Dann sind an schönen tagen wieder sämtliche biergärten vollgestopft mit radfahrern, die sich die hucke vollsaufen. Oder eben mit biertrindenken radfahrenden, wie man gendergerecht sagen müßte. Nur habe ich bei diesem begriff eben ein anderes bild vor augen: ein kleines dreißigliterfäßchen auf dem gepäckträger, den zapfhahn am lenker, steigt der biertrinkende radfahrende keineswegs vom sattel, um sich dem konsum legaler drogen zu ergeben und erledigt sein trinkendes tagewerk der einfachheit halber gleich während der fahrt.

Das wäre vielleicht gut für die zufußgehenden, die später in ihrem leben einmal biergartengenießende werden möchten. Für die wäre sonst womöglich kein platz.

Kommentare:

  1. "Den begriff »bügermeister« kann man sicherlich auch durch »stadtoberhaupt« ersetzen."
    Nope. Da müsste man dann gleich eine ganze Kaskade an Begriffen umbenennen. Oberbürgermeister, Stadtdirektor, Landrat... Die Begriffe unterliegen festen Definitionen, zumindest im Öffentlichen Dienst. Wenn diese Gendermenschen in ihrem kleinen Kämmerlein damit bleiben hat da keiner ein Problem mit.

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