Samstag, 2. April 2016

Unsinn der woche

An sich ist die LINKE für linksgesonnene menschen ohnehin inzwischen unwählbar, weil sie keine antworten auf dringende fragen gibt, sondern sich in einem albernen richtungsstreit zerlegt, der mit linker politik an sich nichts zu tun hat. War für Lothar Bisky einst noch das ziel, den kapitalismus zu überwinden, wird heute nur noch darum gestritten, wie man ihn verbessern könnte.

Und jetzt meint der Ramelow, daß wenn alle versuchen, die bibel zu okkupieren, die LINKE aber mindestens auch dabei sein müsse:
Zitat Bodo Ramelow:»Auf allen politischen Seiten wird gerade versucht, die Bibel zu okkupieren. Wer das Christliche am Abendland betont, der sollte die Botschaft von Jesu wenigstens kennen [...] Es gibt starke religiöse Wurzeln im Marxismus. Der Satz vom Opium fürs Volk wurde erst unter Lenin dann massiv anti-klerikal.«
Leider wird Marx immer falsch zitiert, es heißt nämlich nicht »opium fürs volk« sondern »opium des volkes«, was durchaus eine andere bedeutung hat.

Das sogenannte »Christliche Abendland« besteht aber im grunde gar nicht aus sehr vielen aktiven christen. Nur 5 bis 6 % der befragten sagten 2014, aktive christen zu sein, die wöchentlich in die kirche gehen. Weitere rund 25 % sind nehmen weit weniger am christlichen leben teil, der größte teil von denen geht an Weihnachten in die kirche, aber auch nicht, weil sie an dem tag just ihre tiefe religiosität wiederentdecken, sondern, »weils halt irgendwie dazugehört.« Die breite mehrheit von rund 66 % geht selten oder nie in die kirche. Und trotzdem wird in Deutschland, das von der pfaffentochter regiert wird, immernoch bzw. wieder so getan, als stehe die religion für die breite mehrheit im mittelpunkt, was aber eindeutig nicht der fall ist.
Zitat Bodo Ramelow: »Im Christentum wohnt die Erkenntnis, dass es etwas gibt, was nicht vom Menschen beeinflusst ist. Das ist das Göttliche. Am Ende kam auch Marx immer wieder an Punkte, die er nicht erklären konnte. Diese Erkenntnis über das Vorhandensein des Unerklärbaren gibt mir wiederum Kraft. Ich bin froh, dass ich nicht auf alles eine Antwort habe. Dort, wo es spirituelle Angebote gibt, werden Menschen neugierig. [...] Und in Familien, in denen Menschen ans Ende des Lebens kommen, wird die Frage wieder wichtig: ›Was ist denn da noch außer uns?‹ [...] Wir brauchen Spiritualität. Sie kann nur nicht verordnet werden.«
Sicher hat Marx nicht alles erklären können. Behauptet auch niemand, daß er allwissend gewesen wäre. Aber um zu erkennen, daß niemand alles wissen kann, ist spiritualität das letzte, was man benötigt. Mich erinnert das an die biologielehrerin, über die die kollegen sagten, daß da, wo für den wissenschaftler die chemie anfängt, für sie das »wunder« beginnt, weil sie davon keinen blassen dunst hatte und dann obendrein auch religion unterrichtete. Die dinge, die nach dem stand der wissenschaft durchaus erklärbar waren, sie aber nicht erklären konnte, bezeichnete sie als »gottes wunderwirken« und das hat Karl Marx meines wissens nirgendwo getan. In bezug auf ökonomie werden solche gedanken widerwärtig: da steckt mit drin, daß das wirtschaftssystem gottgegeben nun einmal so sei und das stimmt nicht.

Mir ist es egal, was herr Ramelow glaubt, politik und religion gehören getrennt. Parteien, die sich auf »christliche werte« berufen, gibt es in Deutschland genug. Und wer sich auf selbige beruft und den kapitalismus etwas menschenfreundlicher möchte, benötigt die LINKE nicht, der wählt traditionell CDU/CSU.

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