Sonntag, 21. September 2014

Aus dem enddarm frisch ins netz

Letztens gefunden:
Zitat: »Die zu Tage tretenden Resultate meines gründlichen Verdauungsvorganges lege ich säuberlich in diesem Blog ab. Dieser Blog ist sozusagen mein Wurmklo.

Viel Spaß beim Anschauen meiner Exkremente.«
Selten beurteilt ein autor das zeug, das er ins netz abläßt, dermaßen ehrlich. Man kann von einem gelungenen griff in ins klo sprechen, denn um ein leeres versprechen handelt es sich nicht. Man finded richtig schöne scheiße.

So durften sich in der vergangenen woche die leser über die frohe botschaft freuen, daß es bereits seit 143 jahren keine ausbeutung mehr gibt. Schließlich habe C. Menger, welcher übrigens als vordenker der Östereichischen schule gilt, bereits 1871 mit seiner grenznutzentheorie das gegenteil bewiesen.

Und die sonnenfleckentheorie von W.S. Jevons, die besagt, daß an wirtschaftlichen krisen die sonne schuld sei, hat die menschheit sei dem richtig weitergebracht.

Nun bin ich leider im nachteil, weil ich einen nicht gerade geringen teil dieser 143 jahre nicht selbst miterlebt habe. Aber irgendwie hätte ich doch merken müssen, daß es keine ausbeutung mehr gibt.

Aber zum glück bringt der herr »Wirtschaftswurm« alias Arne Kuster auch noch ein beispiel, daß ausbeutung nur ein rein subjektives empfinden sei:
»Wenn aber der Wert eine Frage der subjektiven Einschätzung ist, gibt es auch für Ausbeutung keinen objektiven Maßstab mehr. Nehmen wir an, ich habe Tage und Wochen damit zugebracht, ein großes Ölgemälde zu malen. Dann gehe ich damit auf eine Ausstellung. Viele Leute schauen sich das Gemälde an, aber den wenigsten gefällt es. Nur einer will es tatsächlich kaufen und bietet mir dafür 200 Euro.

200 Euro für die Arbeit von vielleicht zwei Wochen, ist das Ausbeutung? Ich mag das so empfinden. Ganz sicher wäre es aber doch Ausbeutung, wenn der Käufer 1000 Euro zahlen sollte für ein Gut, dass ihm nur einen Nutzen bringt wie andere Güter, die lediglich 200 Euro kosten.«
Das ist leider ein extrem schlechtes beispiel, weil so ein ölschinken eben keinen anderen gebrauchswert hat, als daß man ihn subjektiv schön finden kann oder eben auch nicht. Weshalb geben die leute viel geld für einen Gauguin oder Picasso aus, wenn doch ein ausgedientes FDPwahlplakat, das nach einer verlorenen wahl kostenlos zu haben ist, den selben zweck erfüllt: die wände sehen nicht mehr so kahl aus? Weil es kunstliebhabern offensichtlich nicht um einen nutzen geht, den man in € für gebrauchswert messen könnte. Für die einen hat ein kunstwerk einen ideellen wert, andere sehen darin eine geldanlage und womöglich wird es auch als statussymbol betrachtet, als förderer der kunst zu gelten.

Als freier künstler ist man, im gegensatz zum arbeiter, in der situation, daß man die freie verfügungsgewalt über das produkt seiner arbeit hat. Wenn dem künstler ein schundpreis für sein kunstwerk geboten wird, kann er das angebot ablehnen, weil vielleicht das verbrauchte material schon teurer war. Er ist eigentümer seines werkes und kann damit machen, was er will.

Der arbeiter hingegen verkauft nicht das produkt seiner arbeit, sondern seine arbeitskraft. Damit ist von anfang an klar, daß ihm das zeug das er herstellt, hinterher nicht gehört. Und daß seine arbeit eben auch immer nur dann stattfindet, wenn ein eigentümer von produktionsmitteln aus der arbeitskraft gewinn erzielen kann. Damit ist schon klar, daß der lohn nicht niedrig genug sein kann, schließlich steht der im gegensatz zum gewinn.

Ausbeutung sei rein subjektives empfinden und es sei witzlos, leuten, die mit ihrem leben subjektiv zufrieden wären einzureden, sie würden ausgebeutet.

Neben der bereits genannten tatsache, daß der arbeiter im kapitalismus vom produkt seiner arbeit getrennt ist, ist ein weiteres merkmal des kapitalismus, daß es über das notwendige maß an arbeit die mehrarbeitszeit gibt, in der man leider nicht für die befriedigung seiner eigenen bedürfnisse arbeitet, sondern für den gewinn des chefs.

1950 lag die täglich notwendige arbeitszeit bei 2 stunden und 51 minuten, die tägliche mehrarbeitszeit bei 5 stunden und 9 minuten. 1960 lag die täglich notwendige arbeitszeit bei 2 stunden und 23 minuten, die tägliche mehrarbeitszeit bei 5 stunden und 37 minuten. 1970 lag die täglich notwendige arbeitszeit bei 2 stunden und 9 minuten, die tägliche mehrarbeitszeit bei 5 stunden und 51 minuten. 1978 lag die täglich notwendige arbeit bei 2 stunden, die tägliche mehrarbeitszeit bei 6 stunden. (Quelle: Lexikon Politische Ökonomie, Leipzig 1981) Aktuellere zahlen dazu liegen mir leider nicht vor, weil sich auch die gewerkschaften davon verabschiedet haben, aufzuzeigen, welcher mehrwert denen, die ihn schaffen, vorenthalten wird.

Die produktivität hat sich in den vergangenen 35 jahren gesteigert, also kann man davon ausgehen, daß die notwendige arbeitszeit, die man bräuchte, um zu produzieren, was man zum leben benötigt weit unter als zwei stunden/tag liegt. Die zeit, die die lohnarbeiter mehr arbeiten, als sie bezahlt bekommen, ist eine der ursachen, weshalb die kapitaleigentümer (umgangssprachlich auch als »die reichen« bezeichnet) immer reicher werden, während sie selbst arm bleiben - und in relation zum geschaffenen reichtum sogar ärmer werden.

In einem weiteren artikel beklagt der autor, daß der neoliberalismus gar nicht neoliberal sei. Diesbezüglich kann ich sogar zustimmen. Der begriff neoliberal ist ein kampfbegriff, so wie sozialismus ebenso einer ist, den beispielsweise die Austrians den anhängern der Chicagoer Schule an den kopf warfen, weil die für staatliche banken waren, jedoch mit sozialismus tatsächlich nicht das geringste zu tun hatten.

Der begriff »neoliberalismus« ist eigentlich abzulehnen. Von der substanz her handelt es sich um die selbe soße wie vor 150 jahren, neo ist daran also nichts, man nennt es bloß so.

Angeblich sei die wirtschaftliche macht nicht einseitig verteilt. Als beispiel werden dann die piloten der Lufthansa genannt, die tatsächlich bisher noch relativ gut verdienen. Wenn die streiken und die leute an ihrem lästigen von a-nach-b-gehetze hindern, fällt das auf, weil dann die kunden auf die barrikaden gehen. Bei den lokführerstreiks sieht es ähnlich aus.

Anderswo sind die belegschaften längst streikunfähig. In vielen firmen sind sie dank outsourcing in unterschiedlichsten ländern verteilt, so daß sich die kollegen nicht nur kaum kennen, sondern auch unterschiedlichem arbeitsrecht unterliegen, unterschiedlich bezahlt werden, so daß sie nie einen gemeinsamen streik organisieren können. Wenn an standort b gestreikt wird, müssen die kollegen an standort a und c mehr arbeiten, dabei fällt dann auf, daß es auch billiger ohne die von standort b geht, wenn man die anderen zu kostenlosen überstunden zwingt und macht den laden dort bei der nächsten gelegenheit dicht.

Welche wirtschaftliche macht haben denn beispielsweise einzelhandelskaufleute? Wenn sie streiken, kommen leiharbeiter und wenn die onlineredaktionen in den verlagen streiken würden, dann würden sie keine besseren arbeitsbedingungen erhalten. Dann würden die leser wegbleiben, die werbekunden abspringen und dann gäbe es gar kein geld mehr, weil hier alles auf einer legalen form von erpressung basiert.

Man nennt die leute, die gegen lohn arbeiten müssen nicht umsonst »abhängig beschäftigte«. Und dieser staat hat es so eingerichtet, daß sie auch immer abhängig bleiben, weil sie in den meisten fällen, egal wie viel sie arbeiten, für immer vom eigentum ausgeschlossen bleiben und stattdessen für die mehrung des eigentums anderer sorgen müssen.

Nur gut, daß es jetzt endlich mal einer hingeschrieben hat, daß das keine ausbeutung ist. Sonst hätte es womöglich niemand gemerkt.

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