Freitag, 13. Juni 2014

Und wieder kein Marx


Plötzlich hat einer mal was gemerkt. Nämlich, das, was vor ihm schon viele gemerkt haben: daß man durch kapital eher reich wird als durch arbeit.

Schwere lektüre. Fast 2,9 kg 
Nur hat er ein buch darüber geschrieben, es heißt »bestseller« oder so ähnlich und soll ab oktober auch in Deutscher übersetzung vorliegen.

Weil bis da hin noch ein wenig zeit ist, durfte der herr ökonom der Frankfurter Rundschau schon mal etwas unsinn erzählen, daß Marx unheimlich »schwer« wäre, während er sich mit seinem buch an eine breite leserschaft wende.

Dabei will er offensichtlich nichts neues, sondern nur zurück zu den überhaupt nicht guten, alten sozialdemokratischen ideen zur kapitalismuseinschränkung, die das system keinesfalls abschaffen sollen, sondern bloß abmildern. Karl Marx hat derartige ideen bereits 1875 für verkehrt gehalten.
Zitat Thomas Piketty: »[…]Marx glaubte, im Kapitalismus eine immer bestehende Ungleichheit erkannt zu haben und nahm an, dass über die Akkumulierung von Profit sein apokalyptisches Ende bevorsteht. Er irrte, wie wir wissen. Es gibt keinen wirtschaftlichen Determinismus.«
Marx hat nie an ein »apokalyptisches ende« des kapitalismus oder dergleichen geglaubt. Er hatte analysiert, wie der kapitalismus funktioniert. Der gegensatz von kapital und lohnarbeit macht ihn produktiv. Und für die menschen, die auf der seite der lohnarbeit stehen, oft unerträglich. Er hatte herausgefunden, daß armut und reichtum nicht »zufällig« nebeneinander vorkommen, sondern, daß das eine das andere bedingt, weil die lohnarbeit nur dann stattfindet, wenn der arbeiter, der seinen lebensunterhalt durch lohnarbeit verdienen muß, mehr geld einbringt, als er kostet. Daß der proletarier selbst arm bleibt, während der fabrikherr durch die geleistete mehrarbeit reich wird.

Marx war davon überzeugt, daß das proletariat, wenn es diese sauerei begriffe, sich das nicht gefallen lassen würde und sich gegen die minderheit, die profiteur des systems ist, stellen würde.

Darin hat er sich tatsächlich geirrt - er hat die duldsamkeit der menschen maßlos unterschätzt.

Seit die »sozialdemokratischen träume« wahr geworden sind und der proletarier kein rechtloser mehr ist, sondern ein bürger mit rechten und pflichten, glauben viele, daß es keine klassen mehr gäbe. Dabei gehört selbst der herr professor zur besitzlosen klasse, sofern er seiner tätigkeit nicht aus lageweile nachgeht, sondern auch für seinen lebensunterhalt arbeiten muß.

Zitat Thomas Piketty: »Der Top-Spitzensatz in den USA betrug zwischen 1930 bis 1980 82 Prozent, das war ein sehr interessantes Experiment, weil es für sehr hohe Einkommen über eine Million Dollar herangezogen wurde. Wenn man sich die heutigen hohen Managergehälter mit über zehn Millionen Dollar ansieht, sollte man erneut über solch hohe Steuersätze nachdenken, die für eine enorme Ungleichheit in der Gesellschaft sorgen.«

Warum sind denn derartige steuern abgeschafft worden?

Doch nicht, weil sich die topverdiener das nicht hätten leisten können.

Es ist einfach unsinn, die arbeiter für millionengewinne auszuquetschen, um dann mit dem staatlichen umverteilungsprogramm aufzukreutzen, damit die armen wichte, die unter diesen umständen nicht leben können, auch ein paar pfennige zugeschoben bekommen können.

Die welt wird dies buch garantiert nicht verändern. Auf »Das Kapital im 21. Jahrhundert« werde ich verzichten. Ich bin nun einmal konservativ und bleibe lieber beim original.

Kommentare:

  1. Ich habe jetzt schon zwei Interviews mit Piketty gelesen und auch in diesem steht nichts neues.
    Das einzige was nach seiner Ansicht aus dem Lot geraten ist, scheint die Differenz im Wachstum zwischen "realer" Wirtschaft und Börse zu sein.
    Dann kommt sein komisches Steuermodel, was er weltweit durchsetzen will. Diese Leute zahlen nicht mal 30 % Vermögenssteuer, warum sollten sie freiwillig 80 % zahlen. Die würden nicht mal 1 % frreiwillig abdrücken. Apple zahlt in den USA mit allen Tricks 2 % Steuern. Das würden die auf 0 % drücken, wenn es ginge.
    Dann ist das Geld aber erstmal beim Staat und warum sollte der das an seine Bevölkerung verteilen. Dass der Staat freiwillig mit Geld um sich wirft, dass es seiner Bevölkerung besser geht, halte ich mal für eine steile These.
    Ich habe sein Werk auch noch nicht gelesen, gehe aber mal davon aus, dass er gegen den Unternehmensgewinn an sich nichts einzuwenden hat.

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    1. Im grunde ist Piketty weniger ein »neuer Marx« sondern eher eine art »neuer Keynes«. Es soll für gewinn gewirtschaftet werden, nur mit der tollen idee der staatlichen umverteilung.

      Daß dabei nicht übermäßig viel für die leute bei rumkommt, steht schon im programm, denn schließlich geht es keinesfalls um die notleidende bevölkerung, sondern um den notleidenden staat.

      Was ist denn im angeblich »roten jahrzehnt« in Amiland passiert? Der staat hat mehr kohle eingenommen. Er hat es natürlich keinesfalls an die armen schweine verteilt, damit die zu ihrem kanten brot kommen, sondern er hat in das investiert was staatswichtig ist. Und was ist vor allem staatswichtig? Rüstung. Der staat hat nicht einfach geld von den reichen genommen, damit es den armen ohne ansehen der person auch gut geht, sondern hat die brauchbaren armen durch investition für staat und kapital nutzbar gemacht.

      Es hat sich inzwischen erwiesen, daß man auch ohne hohe steuerkosten für die reichen »den armen beine machen kann«. Die wissen, daß selbstfressen dick macht und zahlen bestimmt keinen pfennig mehr als notwendig und im idealfall nichts.

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  2. "Und wieder kein Marx"

    Karl Marx wieder einmal im Angebot! Besteht überhaupt noch Nachfrage ausserhalb des akademischen und literarischen Diskurses?

    Allemal taugt dieser dafür, ihn im akademischen Bereich akademisch und prüfungsrelevant herzurichten und ausserhalb davon, ohne Zitate und Quellennachweis, seinen eigenen Interpretationen nachzugeben.

    Aber mit uns, ich bin jetzt schon mal Zwei, wird das nicht klappen.

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    1. Nach Marx besteht leider kaum nachfrage - außer eben bei professoren, die ihn uminterpretieren wollen und hoffen, dadurch ein paar € auf ihrem konto begrüßen zu dürfen.

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  3. Das Verdienst von Marx ist nicht, "irgendetwas erfunden" zu haben. Er hat lediglich die vorhandenen Erkenntnisse zusammengetragen, systematisiert und von allerlei "Muschepupu" befreit. Das ist eben jener Teil, den uns die Neoliberalen heute wieder als Inhalt verkaufen wollen, eine Art reziproken Marx. Weder Kepler noch Galilei haben "erfunden", dass sich die Erde um die Sonne dreht. Trotzdem scheinen grosse Teile der Bevölkerung der westlichen "Führungsnation" noch heute anderer Meinung zu sein.
    Und wer dann glaubt, der kapitalistische Staat könne oder wolle an der Lage derer, die keine Produktionsmittel besitzen etwas ändern, hat den Begriff Staat nicht verstanden. Aber das ist Lenin und hier nicht das Thema.

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    1. Marx hat die gegebenheiten, die er vorfand, betrachtet, analysiert und kritisiert. Völlig richtig: er hat nichts »erfunden«. Marx hat den menschen so etwas wie ein »werkzeug« in die hand gegeben, mit welchem sie die erbärmlichkeit ihres daseins im kapitalismus erkennen können.

      Wer, wie Piketty es offensichtlich tut, dann den staat als »retter der besitzlosen klasse« sieht, vergißt dabei tatsächlich, daß der staat es doch selbst ist, der die bedingungen per gewalt durchsetzt, daß die besitzlosen da bleiben wo sie sind. Darüber zu diskutieren ginge an dieser stelle aber tatsächlich ein thema zu weit.

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