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Dienstag, 11. Mai 2021

Denkbefreitheit als ideologie

Bei den altwasserkonservativen konnte man am 7. mai folgendes lesen
zitat:»›Im Teich wächst eine Seerose. Sie wächst sehr schnell und verdoppelt jeden Tag den Platz an der Oberfläche, den sie einnimmt. Am 29. Tag ist der See halb zugewachsen. Wie lange dauert es dann, bis der See ganz zugewachsen ist?« Antwort eines Mathematikers: »Ein Tag.« Antwort von Politikern: »29 Tage.« Dieses Gleichnis fand ich vor einiger Zeit bei einer Rechtsanwältin und No-Covid-Aktivistin bei Twitter. Ich antwortete ihr, dass das Gleichnis von einer falschen Prämisse ausgehe: Nämlich von exponentiellem Wachstum. Das habe es aber in dieser ganzen Zeit noch nicht gegeben.

Das stimmt natürlich nicht. Am Anfang war es ein Infizierter. Dann waren es tagsdrauf mindestens zwei weitere, sodass es ein exponentielles Wachstum, also die Verdoppelung des Tageswertes gegeben haben muss. Das vollzog sich allerdings auf niedrigstem Niveau. Und nur ganz am Anfang der Pandemie. Sonst allerdings blieb es aus. Die Rechtsanwältin hatte gar kein Verständnis für meinen Einwand, sie ging auch nicht näher darauf ein.«
Dem folgen dann auch noch geistige flatulenzen über »moderne flagellation« und lauter so ein zeug. Wäre es nicht wissenschaftlich naheliegend, daß, im gegensatz zur auffassung der schwarzen pädagogik, schläge gar nicht beim denken helfen, bekäme man lust, den verfasser dieser zeilen zu schlagen, bloß gäbe es überhaupt keine peitsche, die dafür häßlich genug wäre.

Exponentielles wachstum ist tatsächlich schwer vorstellbar, deshalb gibt es so beispiele wie das von der seerose, die in dreißig tagen den gesamten see zuwuchert, auch wenn es selbst am neunundzwanzigsten tag noch gar nicht danach aussieht. Oder die reiskornparabel: auf die vierundsechzig felder eines schachbretts werden reiskörner verteilt, so daß auf dem nächsten feld immer die doppelte anzahl des vorhergehenden feldes liegt.


ABCDEFGH
81248163264128
72565121.0242.0484.0968.19216.38432.768
665.536131.072262.144524.2881.048.5762.097.1524.194.3048.388.608
516.777.21633.554.43267.108.864134.217.728268.435.456536.870.9121.073.741.8242.147.483.648
44.294.967.2968.589.934.59217.179.869.18434.359.738.36868.719.476.736137.438.953.472274.877.906.944549.755.813.888
31.099.511.627.7762.199.023.255.5524.398.046.511.1048.796.093.022.20817.592.186.044.41635.184.372.088.83270.368.744.177.664140.737.488.355.328
2281.474.976.710.656562.949.953.421.3121.125.899.906.842.6242.251.799.813.685.2484.503.599.627.370.4969.007.199.254.740.99218.014.398.509.481.98436.028.797.018.963.968
172.057.594.037.927.936144.115.188.075.855.872288.230.376.151.711.744576.460.752.303.423.4881.152.921.504.606.846.9762.305.843.009.213.693.9524.611.686.018.427.387.9049.223.372.036.854.775.808

 Quelle: wikipedia

Die reihe 8 sieht noch überschaubar aus, da liegen insgesamt 255 reiskörner, also ungefähr ein löffel voll. Ab feld 6E fängt es an unübersichtlich zu werden. Wenn man davon ausgeht, daß ein löffel voll reis ungefähr fünf gramm wiegt, dann liegen auf diesem feld bereits etwas mehr als zwanzigeinhalb kilo reis und auf feld 1H 263 reiskörner. Das ist ziemlich viel. Um zu veranschaulichen wie viel das ist, gibt es zum glück ein video: Es ist geradezu unvorstellbar viel, es handelt sich um die reisernte von etlichen jahrhunderten. Wie schön, daß sich das exponentielle wachstum auf niedrigstem niveau vollzog! Noch unvorstellbarer als das exponentielle wachstum selbst ist natürlich der gedanke, daß es irgendwie mit den anticoronamaßnahmen zu tun gehabt haben könnte, daß das infektionsgeschehen abgebremst wurde.

Mit mehr als 3,5 millionen infizierten befinden wir uns auf dem schachbrett zwischen feld 6E und 6F. Unter der bedingung, daß die »lawine« mit nur einem infizierten beginnen würde und sich die zahl der coronainfizierten alle vier tage verdoppelt, hätten wir feld 6F, also fast 4,2 millionen infizierte, bereits am achtundachtzigsten tag erreicht, tatsächlich sind wir da nach inzwischen vierhundertsiebzig tagen noch nicht angekommen, obwohl die mutante b 1.1.7, die hier inzwischen die häufigste ist, sich alle vier tage vervierfachen würde, wenn man sie dann ließe.

Warum? Könnte damit zusammenhängen, daß hygienemaßnahmen, maske tragen, abstand halten, veranstaltungsverbote und dieser beschissene lockdown etwas bringen, nämlich die verlangsamung des infektionsgeschehens. Aber die experten im altwasser des Rubikon, Jebsijames, Breitschuster und wie sie sonst noch alle heißen, wissen es natürlich besser.

Dienstag, 13. April 2021

Wo bleibt eigentlich diese verfluchte corona-diktatur?

Im fachblatt für verblödungsfreunde steht seit wochen bzw. monaten auf seite 3 unten stets der selbe witz:
Zitat Demokratischer Widerstand: »WAS ZEIGT DIE MEDIZINISCHE GRAFIK?

Die linksstehende Statistik zeigt die Sterbefälle in der Bundesrepublik im Ver- gleich der Jahre. Daraus geht hervor, dass die Anzahl der Gestorbenen seit dem Winter und Frühjahr 2020 deutlich unter den Zahlen der Grippewelle des Jahres 2018 und ähnlich den Zahlen anderer Jahre liegt. Das gilt auch für 2021. Es gibt demnach keine außergewöhnliche Übersterblichkeit.

Sars-Cov-2 (Corona) existiert. Der Virus ist auch nicht völlig ungefährlich. Corona ist jedoch nicht oder nicht wesentlich bedrohlicher als andere Grippein- fektwellen, wie sie zu jedem Jahreswechsel auf der Nordhalbkugel stattfinden. Denn wäre Corona übermäßig bedrohlich – oder gar menschheitsbedrohend –, dann müsste die Sterberate von uns Menschen signifikant und ganz außerge- wöhnlich ansteigen. Das ist aber nicht der Fall. Die Daten sind jene des Statisti- schen Bundesamtes.«
Wie schön! Es gibt keine übersterblichkeit durch corona. Dann ist ja alles bestens. Als besitzer von augen könnten einem an der grafik allerdings ein paar dinge auffallen. Um das ein bißchen deutlicher zu machen, habe ich die grafiken von n-tv und des des Statistischen Bundesamtes übereinander gelegt und die zeiten mit lockdowns und maßnahmen hellblau unterlegt:
In der unteren grafik links sieht man in der blauen kurve für das jahr 2018 sehr deutlich die grippewelle von 2018, das war laut RKI die schlimmste seit dreißig jahren, mehr als 25.000 menschen sind gestorben und die meisten von ihnen um die 10. kalenderwoche herum. Dagegen sieht die 1. coronawelle relativ flach aus, sie erreichte in der 15. kalenderwoche ihren höhepunkt. Da waren wir bereits seit drei wochen im lockdown, sonst wäre sie mit sicherheit wesentlich größer ausgefallen, so starben in der zeit von märz bis ende juni »nur« knapp 9.000 an covid-19. Auffällig wird es ab kalenderwoche 43. Da steigt die kurve langsam aber stetig an. In den verbleibenden zehn wochen bis zum jahresende verstarben knapp 24.000 menschen an covid-19 und man muß schon mächtig knöppe auf den augen haben, um das in der grafik nicht zu sehen.

Die häufigsten todesursachen in Deutschland sind übrigens:

  1. Herzkreislauferkrankungen - sterben knapp 910 menschen täglich dran.
  2. Krebs - sterben pro tag 635 menschen dran.
  3. Krankheiten des Atmungssystems - sterben 185 leute jeden tag dran.

Heute ist es genau 400 tage her, daß in Deutschland die ersten covid-todesopfer zu beklagen waren. Seit dem sind nahezu 80.000 menschen daran gestorben. Bedeutet, daß die hitliste der beliebtesten todesursachen in ihren top 3 derzeit so aussieht:

  1. Herzkreislauferkrankungen - sterben knapp 910 menschen pro tag dran.
  2. Krebs - sterben jeden tag beinahe 635 menschen dran.
  3. Covid-19 - sterben täglich fast 200 leute dran.

Es ist also völlig berechtigt, corona als »nicht übermäßig bedrohlich« einzustufen, ist, seit es das hierzulande gibt, schließlich bloß die dritthäufigste todesursache und deshalb zu vernachlässigen.

Die grafik zeigt auch, daß lockdowns durchaus wirksam sind. Und, daß die Deutschen ziemlich arrogant und dumm sind - es war sehr gut sichtbar, was in der 3. welle in Portugal oder GB und anderen ländern losgewesen ist. Was jetzt passiert, war vorhersehbar und man hätte es verhindern können, wenn beizeiten beherzt gehandelt worden wäre, anstatt abzuwarten, bis aus einem problem ein riesiges problem geworden ist. Anstatt wenigstens halbwegs vernunft walten zu lassen, haben sich die regierungen von einer kleinen, lauten minderheit beeindrucken lassen und das werden wir in den kommenden monaten im lockdown aussitzen »dürfen«. Hätte »mutti« gleich entschieden wär uns viel erspart geblieben...

Samstag, 6. März 2021

Rechenkunststück

Neues von der querdenkerfront: inzwischen sind wir bei einer angeblichen falschpositivrate der PCR von 7,6%, was uns das RKI seit monaten boshaft verschwieg. Leider liegt mir das paper, auf das sich der redner bezieht, nicht vor. Braucht es aber auch gar nicht, um diese aussage zu bewerten:
zitat querdenker mit hütchen: »[3:46] 7,6% der ergebnisse auf den PCR tests sind systematisch falsch, fast 8% der PCR testergebnisse [...] und diese ergebnisse liegen dem Robert-Koch-Institut seit dem 11. september des letzten jahres vor. Fünf monate hat das Robert-Koch-Institut sich geweigert der öffentlichkeit diese zahlen zur verfügung zu stellen und hat weiter wahrheitswidrig behauptet, daß der PCRtest sehr zuverlässig sei. DAS IST ER NICHT!!1!!! [...] Aktuell liegt die positivquote von PCRtestergebnissen bei etwas über 5%. Das bedeutet nichts anderes, als daß wahrscheinlich ALLE PCRtestergebnisse falsch sind.[...]«
Alles klar: 5% > 7,6%. Noch fragen?

Ja, ich: kann dem hütchenmann mal jemand ein bißchen diskalkulietherapie spendieren, so für fünf fennje oder ’n jroschen?