zitat:»›Im Teich wächst eine Seerose. Sie wächst sehr schnell und verdoppelt jeden Tag den Platz an der Oberfläche, den sie einnimmt. Am 29. Tag ist der See halb zugewachsen. Wie lange dauert es dann, bis der See ganz zugewachsen ist?« Antwort eines Mathematikers: »Ein Tag.« Antwort von Politikern: »29 Tage.« Dieses Gleichnis fand ich vor einiger Zeit bei einer Rechtsanwältin und No-Covid-Aktivistin bei Twitter. Ich antwortete ihr, dass das Gleichnis von einer falschen Prämisse ausgehe: Nämlich von exponentiellem Wachstum. Das habe es aber in dieser ganzen Zeit noch nicht gegeben.Dem folgen dann auch noch geistige flatulenzen über »moderne flagellation« und lauter so ein zeug. Wäre es nicht wissenschaftlich naheliegend, daß, im gegensatz zur auffassung der schwarzen pädagogik, schläge gar nicht beim denken helfen, bekäme man lust, den verfasser dieser zeilen zu schlagen, bloß gäbe es überhaupt keine peitsche, die dafür häßlich genug wäre.
Das stimmt natürlich nicht. Am Anfang war es ein Infizierter. Dann waren es tagsdrauf mindestens zwei weitere, sodass es ein exponentielles Wachstum, also die Verdoppelung des Tageswertes gegeben haben muss. Das vollzog sich allerdings auf niedrigstem Niveau. Und nur ganz am Anfang der Pandemie. Sonst allerdings blieb es aus. Die Rechtsanwältin hatte gar kein Verständnis für meinen Einwand, sie ging auch nicht näher darauf ein.«
Exponentielles wachstum ist tatsächlich schwer vorstellbar, deshalb gibt es so beispiele wie das von der seerose, die in dreißig tagen den gesamten see zuwuchert, auch wenn es selbst am neunundzwanzigsten tag noch gar nicht danach aussieht. Oder die reiskornparabel: auf die vierundsechzig felder eines schachbretts werden reiskörner verteilt, so daß auf dem nächsten feld immer die doppelte anzahl des vorhergehenden feldes liegt.
| A | B | C | D | E | F | G | H | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 8 | 1 | 2 | 4 | 8 | 16 | 32 | 64 | 128 |
| 7 | 256 | 512 | 1.024 | 2.048 | 4.096 | 8.192 | 16.384 | 32.768 |
| 6 | 65.536 | 131.072 | 262.144 | 524.288 | 1.048.576 | 2.097.152 | 4.194.304 | 8.388.608 |
| 5 | 16.777.216 | 33.554.432 | 67.108.864 | 134.217.728 | 268.435.456 | 536.870.912 | 1.073.741.824 | 2.147.483.648 |
| 4 | 4.294.967.296 | 8.589.934.592 | 17.179.869.184 | 34.359.738.368 | 68.719.476.736 | 137.438.953.472 | 274.877.906.944 | 549.755.813.888 |
| 3 | 1.099.511.627.776 | 2.199.023.255.552 | 4.398.046.511.104 | 8.796.093.022.208 | 17.592.186.044.416 | 35.184.372.088.832 | 70.368.744.177.664 | 140.737.488.355.328 |
| 2 | 281.474.976.710.656 | 562.949.953.421.312 | 1.125.899.906.842.624 | 2.251.799.813.685.248 | 4.503.599.627.370.496 | 9.007.199.254.740.992 | 18.014.398.509.481.984 | 36.028.797.018.963.968 |
| 1 | 72.057.594.037.927.936 | 144.115.188.075.855.872 | 288.230.376.151.711.744 | 576.460.752.303.423.488 | 1.152.921.504.606.846.976 | 2.305.843.009.213.693.952 | 4.611.686.018.427.387.904 | 9.223.372.036.854.775.808 |
Quelle: wikipedia
Die reihe 8 sieht noch überschaubar aus, da liegen insgesamt 255 reiskörner, also ungefähr ein löffel voll. Ab feld 6E fängt es an unübersichtlich zu werden. Wenn man davon ausgeht, daß ein löffel voll reis ungefähr fünf gramm wiegt, dann liegen auf diesem feld bereits etwas mehr als zwanzigeinhalb kilo reis und auf feld 1H 263 reiskörner. Das ist ziemlich viel. Um zu veranschaulichen wie viel das ist, gibt es zum glück ein video: Es ist geradezu unvorstellbar viel, es handelt sich um die reisernte von etlichen jahrhunderten. Wie schön, daß sich das exponentielle wachstum auf niedrigstem niveau vollzog! Noch unvorstellbarer als das exponentielle wachstum selbst ist natürlich der gedanke, daß es irgendwie mit den anticoronamaßnahmen zu tun gehabt haben könnte, daß das infektionsgeschehen abgebremst wurde.Mit mehr als 3,5 millionen infizierten befinden wir uns auf dem schachbrett zwischen feld 6E und 6F. Unter der bedingung, daß die »lawine« mit nur einem infizierten beginnen würde und sich die zahl der coronainfizierten alle vier tage verdoppelt, hätten wir feld 6F, also fast 4,2 millionen infizierte, bereits am achtundachtzigsten tag erreicht, tatsächlich sind wir da nach inzwischen vierhundertsiebzig tagen noch nicht angekommen, obwohl die mutante b 1.1.7, die hier inzwischen die häufigste ist, sich alle vier tage vervierfachen würde, wenn man sie dann ließe.
Warum? Könnte damit zusammenhängen, daß hygienemaßnahmen, maske tragen, abstand halten, veranstaltungsverbote und dieser beschissene lockdown etwas bringen, nämlich die verlangsamung des infektionsgeschehens. Aber die experten im altwasser des Rubikon, Jebsijames, Breitschuster und wie sie sonst noch alle heißen, wissen es natürlich besser.

